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Lapageria rosea

Lapageria rosea Ruiz & Pav.

Der Name Lapageria hat seinen Ursprung in dem Mädchennamen Lapagerie – dem Namen der Kaiserin Josephine an Napoleons Seite.
Deren Engagement für exotische Pflanzensammlungen verdankt die chilenische Pflanze ihren Namen.

Verbreitung

Chilenische Westküste, 34° bis 41° südl. Breite

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oben Lapageria rosea
Verbreitungsgebiet

Beschreibung

Die Lapageria ist eine ausdauernde, verholzende, immergrüne Kletterpflanze.
An drahtigen Trieben, die bis 20 m an Sträuchern und Bäumen empor schlingen, befinden sich locker angeordnete, wechselständige, bis 12 cm lange, tiefgrüne, ledrige Blätter.
Die einzeln oder gehäuft in den Blattachseln hängenden, bis 8 cm großen und 6 cm breiten, roten bzw. rosa-farbigen Blüten mit dicker, wachsartiger Kutikula waren wohl der Anlass diese Pflanze zur Nationalpflanze Chiles zu erklären.
Die voneinander abgesetzten drei inneren zu den drei äußeren Blüten-Hüllblättern formen die elegante Blüte.
Dieser Bedeutung als Nationalblume wurde auch durch die Herausgabe einer Briefmarke Rechnung getragen.

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oben Lapageria rosea
Chilenische Briefmarke

Ökologie 

Die endemische Copihue wächst in einem ausgesprochen gleichmäßigen, maritimen und frostfreien Klima – auch im sogenannten valdivianischen Regenwald.
In den dichten, immergrünen Wäldern wächst sie im Schatten oder Halbschatten.
Auf der Suche nach den Lapageria-Pflanzen hat auch der Autor viele Stunden vergeblich verbracht, da sie an diesen Orten überhaupt nicht auffallen – wären da nicht die großen, lilienartigen, roten Blüten.
Die Lapageria bevorzugt einen schwach sauren aber gut durchlässigen Boden.
Eine hohe Luftfeuchtigkeit und ein halbschattiger Standort sind einer guten Entwicklung förderlich.
Trotz günstiger Bedingungen an den heimatlichen Standorten ist die Pflanze nicht in großen Ansammlungen zu finden.
Relativ häufig ist sie noch am Fluss Maule, der in den Llanquihue-See mündet, zu finden.

Vermehrung

Sie erfolgt durch Aussaat, Ableger und durch Stecklinge.
Bei der Aussaat ist zu beachten, dass das Saatgut nicht austrocknet, dass es ein paar Tage in warmem Wasser vorbehandelt wird (Wasser wechseln) und dann ein bis drei Monate stratifiziert wird.
Das Aussaatsubstrat sollte Sand, Humus und Granulat zur Drainage in gleichen Teilen beinhalten (Lava-Granulat).
Bei ca. 20 °C können die Samen in etwa 6 Wochen keimen.
Erwarten sie aber keine hohe Keimkraft – wohl auch abhängig von der Frische des Saatgutes und von der bisherigen Lagerung.

Die Vermehrung durch Ableger ist eine Frage des Alters der Pflanze (es müssen genügend Triebe vorhanden sein), des Platzes (die langen Triebe müssen schlangenförmig abwechselnd in- und auf den Boden gelegt werden) und der Geduld ( es dauert sehr lange bis sich Erfolg zeigt).

Die Vermehrung durch Stecklinge ist möglich, aber wohl eher für Vermehrungsspezialisten geeignet.
Die 45 bis 50 cm langen, ausgereiften Stecklinge werden in einem mit grober Perlite gefüllten Topf (2/3 des Volumens) und normaler Perlite mit 5 % Anteil Torfmoos (1/3 des Volumens) gesteckt.
Die Stecklinge müssen ständig feucht (keine Staunässe) gehalten werden, wenn möglich in einer Sprühnebelanlage.
Die Temperaturen sollten gleichmäßig bei 15 bis 20 °C liegen.
Es kann aber trotzdem ein halbes Jahr bis zum Erfolg dauern.

Wer die blühende Copihue im chilenischen Urwald gesehen hat, möchte diese auch im eigenen Garten haben.
Doch das ist nicht so einfach.
Zunächst muss an die fehlende Winterhärte gedacht werden.
Als WHZ wird in der Literatur die Zone 9 angegeben – bei besonders geschützten Bedingungen auch die WHZ 8.
Das heißt für Mitteleuropa ist i.d.R. die Überwinterung im Kalthaus notwendig.
Wenn sie sich dann nach einem Pflanzenanbieter für die normale Lapageria rosea umsehen, werden sie nur wenig Erfolg haben.
Sollten sie darüber hinaus nach Zuchtformen suchen, dann ist sehr viel Geduld angebracht.

El Vergel, die wohl älteste Nursery, die sich um Erhalt und Züchtungen von Lapageria verdient gemacht hat, befindet sich in Angol, Chile.
Obwohl in Chile, Australien, USA und England Züchter tätig sind, die eine große Anzahl von Sorten geschaffen haben, ist es sehr schwierig diese auch kaufen zu können.
Von diesen vielen Sorten können hier nur wenige beispielhaft genannt werden:

Die Sorte „Contulmo“ hat die dunkelste rote Blütenfarbe, wird bis 9 cm lang und 5 cm breit.
Sie blüht spät im chilenischen Sommer und ist, neben anderen, in einer umfangreichen Sammlung von Copihues am Südufer des Lago Lanalhue zu finden.

Die Sorte „Ligtromu“ hat eine weiße, etwa 9 cm lange und 5,5 cm breite Blüte.
Sie ist wohl identisch mit „White Cloud“ und „Nuba Blanca“ und ist u.a. in der bekanntesten, chilenischen Nursery „El Vergel“ zu sehen.

Die Sorte „Montenegro Red“ fällt durch die besonders großen Blüten auf, die bis 10,5 cm lang und 5 cm breit werden können.
Sie stammt ebenfalls aus der chilenischen Nursery „El Vergel“ und wird nun auch in Kalifornien vermehrt.

Die Sorte „Toqui“ hat die längsten rein-weißen Blüten, die 11 cm lang und 6 cm breit werden.
Sie entwickelt sich, trotz langsamen Wachstums, zu einer großen Solitär-Pflanze.

Die Sorte „Collinge“ hat weiße Blüten, die zu den Rändern der Blüten Hüllblättern hin, in eine rosa bis zu fast rote Blütenfarbe übergehen. (siehe Foto)

Die Farben variieren bei weiteren Züchtungen von rosa und rot in der Tendenz zu violett und gelb.

Hybriden zwischen Philesia magellanica und Lapageria rosea sind gelegentlich im Handel erhältlich ('Philageria').


15 lapageria rosea reifer fruchtstand

oben Lapageria rosea
reifer Fruchtstand
St. Ulrich, Bollschweil, Deutschland
Foto:© H. Nimsch

11 philesia magellanica am naturstandort

oben Philesia magellanica
Familie Philesiaceae
am Naturstandort in Chile
Foto:© H. Nimsch

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oben Lapageria rosea
Samen
Foto:© matthis pflanzen-forum

Familie: Philesiaceae
Gattung: Lapageria

Chilenischer Name: Copihue
Englischer Name: Chilean Bellflower
Deutscher Name: Chilenische Wachsglocke

01 chilenische wachsglocke

oben Lapageria rosea
Chilenische Wachsglocke
Bild: wikipedia.org

02 lapageria rosea tierra del fuego cultivar st ulrich

oben Lapageria rosea
"Tierra del Fuego" - Cultivar
St. Ulrich, Bollschweil, Deutschland
Foto: © H. Nimsch

04 lapageria rosea knospen

oben Lapageria rosea
Knospen
St. Ulrich, Bollschweil, Deutschland
Foto: © H. Nimsch

05 lapageria rosea einzelbluete

oben Lapageria rosea
Einzelblüte
St. Ulrich, Bollschweil, Deutschland
Foto: © H. Nimsch

07 lapageria rosea white cultivar st ulrich

oben Lapageria rosea
White Cultivar
St. Ulrich, Bollschweil, Deutschland
Foto: © H. Nimsch


08 lapageria rosea einzelbluete

oben Lapageria rosea
Einzelblüte
St. Ulrich, Bollschweil, Deutschland
Foto: © H. Nimsch


09 lapageria rosea blueten

oben Lapageria rosea
Bestäubung erfolgt u.a. durch Kolibris
Foto: © H. Nimsch

13 lapageria rosea var albiflora white cloud

oben Lapageria rosea var. albiflora
"White Cloud"
Foto:© sunshine-seeds.de

10 lapageria rosea collinge cultivar

oben Lapageria rosea
"Collinge" Cultivar
Foto:© Friesland Staudengarten

12 lapageria rosea culitvare rot weiss

oben Lapageria rosea
rote und weiße Cultivare
Foto:© H. Nimsch

14 lapageria rosea neue zuechtung

oben Lapageria rosea
neue Züchtung in der Nursery El Vergel
Angol, Chile
Foto:© H. Nimsch

18 patagona gigas

oben Die Lapageria-Blüten-Bestäubung erfolgt u.a. durch die Kolibri-Art Patagona gigas
Fotos:© A. Nahum, L. G. Calizaya [Wikipedia]

20 sephanoides sephanoides

oben Die Lapageria-Blüten-Bestäubung erfolgt u.a. durch die Kolibri-Art Sephanoides sephanoides
Fotos aus nl.wikipedia.org

 

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