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Fitzroya cupressoides - ein selten gewordener Baum im Süden Südamerikas

Hubertus Nimsch
Fitzroya cupressoides I. M. Johnst.,
- ein selten gewordener Baum im Süden Südamerikas.
in Hortus Exoticus 2008/8

Bei der Freilandkultur winterharter Exoten sind die Erfahrungsberichte, die auf
Langzeitbeobachtungen beruhen, von großem Nutzen für jene, die sich am Anfang dieser Thematik bewegen.
Für sie ist es eine wichtige Hilfe, wenn sie aus den positiven Erfahrungen
anderer Personen eigenen Nutzen ziehen können und Negativ-Erfahrungen anderer
vermeiden.
Dies gilt insbesondere für die vielen Nadelbäume der Südhemisphäre, über die es bisher nur sehr wenige Erfahrungen mit der Freilandkultur in Mitteleuropa gibt.
Wenn man die Nadelbäume der Südhemisphäre an ihren Naturstandorten erlebt hat, begeistern die Eindrücke eines Araukarien-Waldes in Chile mit leuchtend rot blühendem Embothrium coccineum , J. R. Forst. & G. Forst., im Unterstand oder die wenigen uralten Fitzroya-Bestände in den Anden von Argentinien und Chile.
Auch die urtümlichen Wälder der Athrotaxis-Arten in Tasmanien oder die gewaltigen Bäume von Agathis und Dacrydium
mit Baumfarnen im Unterstand in Neuseeland sind Beispiele von eindrucksvollen Naturstandorten.
Alle diese Beispiele hinterlassen den Wunsch, es doch mal mit diesen Baumarten und hier insbesondere mit Fitzroya cupressoides zu probieren.

Diese Möglichkeit ergab sich im 100 ha großen Arboretum des Städtischen Forstamtes Freiburg, dessen Lage am Rande des Schwarzwaldes, umgeben von großen Weinbaugebieten des Markgräfler-Landes und des bekannten Kaiserstuhls, klimatisch begünstigt ist.
Die Größe des Arboretums bot keinerlei Platzprobleme. Viel problematischer ist und war es, geeignetes Pflanz- oder Samenmaterial zu beschaffen.
Ebenso ergaben sich weitere Fragen wie
beispielsweise zur Aussaat, Behandlung, Auspflanzung, zum Frostschutz und zur Gefahrdung durch Wildverbiss. Und vor allem: Es war nicht möglich, sich auf die Erfahrungen anderer Auspflanzversuche zu stützen. Kenntnisse der Bedingungen am Naturstandort hat sich der Autor mit drei Reisen nach Chile und Argentinien verschafft.

Die südamerikanische " Alerce" , Fitzroya cupressoides, aus dem Süden Chiles soll hier
vorgestellt werden.
Die monotypische Cupressacaea-Gattung Fitzroya hat ihren Namen nach dem englischen Admiral Fitzroy, der mit Charles Darwin von 1831 bis 1836 seine Weltreise unternahm.

Die im Tertiär weit verbreitete Fitzroya cupressoides ist heute nur noch im südlichen Chile (zwischen 40. und 42. Breitengrad) und Argentinien (zwischen 41. und 43. Breitengrad) beheimatet.
Hier in den chilenischen und argentinischen Anden und in der chilenischen Küstenkordillere, sowie in wenigen Vorkommen des südlichen chilenischen Längstales liegen die nicht mehr zusammenhängenden Verbreitungsgebiete.
Exploitation und Übernutzung haben das natürliche Verbreitungsgebiet massiv verkleinert, so dass die Regierungen Chiles
und Argentiniens Schutzmaßnahmen verordneten und Schutzgebiete ausgewiesen haben.
Deren Wirkung war jedoch nicht ausreichend, da die meisten Naturstandorte in privatem Besitz sind.
Nur in Nationalparks und wenigen, unerschlossenen Gebieten der Anden sind
noch unberührte Naturbestände zu finden.

Nach den Richtlinien der IUCN (International Union for Conservation of Nature) wird
F. cupressoides daher als bedrohte Art in die Schutzstufe 3 "vulnerable" eingeordnet.
Der aus dem Spanischen übernommene Name "Alerce" (Lärche) für Fitzroya cupressoides ist irreführend, hat sich aber weitestgehend durchgesetzt (Nimsch 1995).
Der Mapadungun- Name "Lahuen" stammt von den Ureinwohnern und ist heute noch gelegentlich gebräuchlich.
Fitzroya cupressoides gehört zu den langlebigen Baumarten.
Sie kann über 3600 Jahre alt werden und erreicht eine Höhe von maximal 50 m, sowie einen Durchmesser von bis zu 5 m
am Stammfuß.
Kennzeichnend ist ihr geradschaftiger Wuchs und die relativ schmale Krone mit hängenden Ästen (schneebruchsicher).
Ältere Bäume zeichnen sich durch eine gute
natürliche Astreinigung aus, so dass oft 3/4 oder 4/5 der Stammlänge astfrei sind
(Lara et al. 1994).
Daraus und aus den vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des leichten
und dauerhaften Holzes, das nachweislich seit dem 16. Jahrhundert genutzt wird, resultierte die oben genannte Übernutzung. Noch heute existieren Holzhäuser der ersten Siedler am Llanquihue-See aus Fitzroya-Holz, das in Splint- und Kernholz dem des Mammutbaumes, Sequoiadendron giganteum (Lindl.) J. Buchholz, sehr ähnlich ist.

Die bis 3 mm langen Blätter an alten Zweigen sind schuppenformig, haben auf der Blattunterseite zwei deutliche Stomabänder und sind in 3-zähligen Wirteln angeordnet. Die Blätter an jugendlichen Zweigen sind 5-8 mm lang und spatelförmig.

Fitzroya cupressoides ist in der Regel diözisch, gelegentlich auch monözisch.
Die kugelförrnigen, weiblichen Zapfen werden nur bis 8 mm groß und nur die 2-3 Samen der oberen Zapfenwirtel sind fertil und haben 2 oder 3 Flügel (Lara et al. 1994).
Jungpflanzen können in den ersten Jahren 25 cm oder mehr je Jahr wachsen, bei älteren Bäumen geht der Zuwachs auf wenige cm je Jahr zurück.
Neben der generativen Vermehrung kann sich F. cupressoides auch über Wurzelbrut und Absenker ausbreiten. Eine vegetative Vermehrung durch Stecklinge ist ebenso möglich.

Das Klima in den natürlichen Verbreitungsgebieten wird durch hohe Jahresniederschläge von 2000 bis 4000 mm geprägt.
In den chilenischen Anden kommt Fitzroya cupressoides in den Waldgesellschaften in 800-1200 m Höhe mit der immergrünen Nothofagus betuloides (Mirb.) Oerst. und Nothofagus antarctica (G. Forst.) Oerst. vor und bildet oft mit ihr die Waldgrenze.
In den mittleren Gebirgslagen zwischen 500 und 800 m Höhe ist F. cupressoides nur noch mit geringen Anteilen an einer Waldgesellschaft von Nothofagus nitida (Phil.) Krasser, Tepualia stipularis (Hook. & Am.) Griseb., Crinodendron hoohrianum Gay, Podocarpus nubigenus Lindl., Amomyrtus luma (Molina) D. Legrand & Kausel und anderen Gehölzen beteiligt.
In den unteren Lagen des valdivianischen Regenwaldes (temperierter, immergrüner Regenwald, benannt nach der südchilenischen Stadt Valdivia) ist F. cupressoides nur mit wenigen, alten
Exemplaren in Mischung mit Laureliopsis philippiana (Looser) Schodde, Saxegothaea
conspicua
Lindl., Weinmannia trichosperma Cav. und anderen vertreten.
Auf den staunassen, sauren Böden der Kiistenkordillere, beispielsweise der Cordillera Pelada in etwa 1000 m Höhe, ist F. cupressoides mit Nothofagus nitida, Pilgerodeulron uvifrum (D. Don) Florin,
Lepidothammrs fonkii Phil. und anderen Gehölzen zu finden.
In den argentinischen Anden wächst F. cupressoides zusammen mit Nothofagus dombeyi (Mirb.) Oerst., gelegentlich
Smegothaea conspicua, Chusquea culeou E. Desv. und in Hochlagen um 1500 m mit
Nothofagus pumilio (Poepp. & Endl.) Reiche, nur noch strauchartig (Lara et al. 1994).

Nur in staatlichen und privaten, erklärten Schutzgebieten kann von ausreichendem Schutz die Rede sein.
Große Waldgebiete in Chile sind Privateigentum und hier werden staatliche
Empfehlungen oder Verordnungen nicht sonderlich ernst genommen.
Die Bedrohung der Gattung Fitzroya durch Exploitation, Rodung und Beweidung hält trotz staatlichen Schutzes an.
Auch die nationalen und internationalen Bemühungen um den Erhalt der Gattung sind nicht ermutigend.

Erfahrungen mit der Freilandkultur von Fitzroya cupressoides in Deutschland liegen kaum vor.
In nur wenigen Botanischen Gärten und einigen Privatgärten ist die Art zu finden und meistens wird sie im Kalthaus überwintert. Entsprechend ihres natürlichen, klimatisch begünstigten Herkunftsgebietes mit hohen Niederschlägen müssen diese Ansprüche soweit wie möglich berücksichtigt werden.
In Freiburg beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur 9,9° C und der Jahresniederschlag ca. 1000 mm.
Am heimatlichen Standort liegt der ph-Wert
bei 4-5, während er im Arboretum bei etwa 6-7 ph liegt.
Im Arboretum Freiburg wurde
F. cupressoides vor etwa 15 Jahren zusammen mit Pilgerodendron uvifrum an einem kleinen Bach in einem tief eingeschnittenen Tal im Schutz eines älteren Waldbestandes gepflanzt.
Nach anfänglichem Schutz gegen Wild und Frost wächst sie nun ohne Probleme ungeschützt auf einem leicht sauren Standort von Gneis-Verwitterungsboden. Gelegentliche, leichte Blattschäden durch Frost von -15° C hatten keine Dauerschädigung zur Folge.

Eine regelmäßige Samenbildung findet in den letzten Jahren statt, doch sind die Samen wohl aufgrund des geringen Alters des Baumes bislang nicht fertil.
Eine Anbauempfehlung kann für geschützte Standorte im Bereich des Rheintales und der norddeutschen Küste gegeben werden. Entsprechend der hohen Niederschläge am heimatlichen Standort sollte ein Pflanzort
in Bach- oder Seeufernähe gefunden werden. Die Bezugsmöglichkeiten für Fitzroya cupressoides sind sehr begrenzt.
Gelegentlich wird sie in England und Holland oder im Internet angeboten.
Nach Rushforth (1987) wird F. cupressoides in die USDA-Zone 8 eingestuft.
Wenn sie als winterharter Exot angesehen wird, dann nicht nur wegen der zierenden, lockeren Wuchsform mit überhängenden Zweigen sondern wegen ihres seltenen Vorkommens in Deutschland und ihrer Gefährdung am heimatlichen Standort in Chile und Argentinien.
Natürlich wäre auch das sagenhaft hohe Alter ein Grund, durch die Pflanzung einer Fitzroya Bleibendes für kommende Generationen zu schaffen.


Literatur

CONAF; CONAMA et al., 1997
Catastro y evaluacibn de los recursos vegetacionales nativos de Chile.
Informe Final.

Dimitri, M. J. L., 1972
La region de los bosques andin-patagónicos. Sinopsis general. Collección cientifica del INTA.
Buenos Aires, 382 S.

Dimitri, M. J. L., 1977
Pequefla flora ilustrada de los parques nationales andino-patagónicos.
Publicación Téknica No 46,
Instituto Nacional de Tecnologia Appecuaria (INTA), Buenos Aires, 122 S.

Donoso, C., 1978
Dendrologia Arboles y Arbustos Chilenos. Facultad de ciencias forestales, Manual No 2, Universidad de Chile, Santiago de Chile, 143 S.

Lara, A.; Villalba, R., 1993
A 3620-year temperature record from Fitzroya cupressoides tree rings in Southern America. Science 260, 1104- 1106.

Lara, A., Donoso, C., Aravena, J., 1996
La conservaci6n de los bosques nativos de Chile: problemas y desafios.
(Enzyklopädie der Holzgewächse, Ecomed Verlag Landsberg/Lech,
Erg. Lfg. 12/02, 1-8 .)

Mufios-Pizarro, C., 1973
Chile: Plantas en Extinción.
Editoral Universitaria, Santiago, Chile, 248 S.

Nimsch, H., 1995
A Reference Guide to the Gyrnnosperms of the World.
Koeltz Scientific Books, Illinois, USA, 99 S.

Pizarro, C. M., 1996
Sinopsis de la Flora Chilena. Ediciones de la Universidad de Chile,
Santiago de Chile, 500 S.

Rushforth, K. D., 1987
Conifers.
Christopher Helm Publishers, London, 232 S.


  



Pfeil nach oben Fitzroya cupressoides
freistehender Baum
Cordillera Pelada, Chile

Foto: © A. Lara



Pfeil nach oben Fitzroya cupressoides
männliche Blüte

 

abstract

Fitzroya cupressoides I. M. Johnst.,
a conifer from South America is treated with information on natural habitat, morphology, ecology, endangering, suitability for Central European gardens, propagation und cultural requirements.
- With pictures, map and table.

keywords

Arboretum Freiburg-Guenterstal - Fitzroya cupressoides - suitability for Central- European gardens



Pfeil nach oben Fitzroya cupressoides
Naturstandort Cordillera Pelada, Chile
Foto: © H. Nimsch 
 


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Jungpflanze
Arboretum Freiburg-Günterstal
Foto: © H. Nimsch 
 


Pfeil nach oben Fitzroya cupressoides
Natürliches Verbreitungsgebiet in Chile
nach CONAF in Argentinien
nach M.Dimitri und R.Villalba
aus Enzyklopädie der Holzgewächse, Verlag ecomed
 
 


Pfeil nach oben Fitzroya cupressoides
o.l.: juveniler Trieb
o.r.: adulter Trieb mit Zapfen
u.l.: Samen
u.r.: geöffneter Zapfen
nach: C.M. Pizarro: CHILE: plantas en extincion
 


Pfeil nach oben Fitzroya cupressoides
Zweig mit Zapfen
Foto: © H. Nimsch 
 


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Neuaustrieb

Foto: © H. Nimsch 
 


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Solitär am Naturstandort, Argentinien 
 


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Solitär, El Mirador, Küstenkordillere
Foto: © H. Nimsch 
 


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Altbestand Patamay, Chile

Foto: © A. Lara
 


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alter Zapfen 
 



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reife Zapfen mit Samen
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