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Berberidopsis corallina Hook. F. 1862

Systematik

Zur   Gattung Berberidopsis werden 2 Arten gezählt:  B. beckleri  aus O-Australien und B. corallina aus Chile.
Letztere wurde 1848 von W. Lobb auf der Insel Chiloé entdeckt und von J. D. Hooker, 1862 beschrieben.

Natürliches Vorkommen

Sie war in den chilenischen Wäldern um Valdivia, Puerto Montt, Chiloé u. a.  zwischen dem 35° und dem 45° s. Br. in Höhenlagen bis 700 m  beheimatet.
Nach neueren Untersuchungen ist Berberidopsis nur noch zwischen 35°50s und 41°10s. Br. in der VII bis X Region zu finden und auch hier nur noch in kleinen Gruppen von weniger als 10 Exemplaren.
Diese kleinen Gruppen befinden sich ausschließlich in ungeschützten Gebieten in denen Waldbrandgefahr und Waldweide den Fortbestand gefährden.
Lediglich ein Standort ist innerhalb des „Reserva Nacional Los Queules“ und daher geschützt.
Heute ist davon auszugehen, dass die Art an den Naturstandorten sehr gefährdet ist und dass Schutzmaßnahmen dringend notwendig sind.
Die Begleitbaumarten am Naturstandort sind Caldcluvia paniculata, Drimys winteri, Eucryphia cordifolia, Lomatia hirsuta, Luma apiculata, Nothofagus dombeyi, Persea lingue, Rhaphithamnus spinosus, Saxegothaea conspicua, Weinmannia trichosperma u.a.
Die genetische Vielfalt zwischen den nördlichen und den südlichen Vorkommen wurde nachgewiesen.

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Pfeil nach oben Berberidopsis corallina
Verbreitungskarte (ehemalig 35° bis 45° s. Br.), Chile

Beschreibung

Der immergrüne, etwas schlingende Strauch kann bis 5 m hoch werden –  gelegentlich auch bis 20 m.
Er ist nur für die Freipflanzung in den mildesten Regionen Westeuropas geeignet.
Die WHZ 9a mit bis minus 5°C ist geeignet.
Die herzförmigen Blätter werden 6 bis 10 cm lang, haben einen dornig gezähnten Rand, sind oberseits kahl, dunkelgrün und unterseits leicht bläulichgrün. Die tiefroten, halbkugeligen, ca. 2 cm breiten Blüten sind lang gestielt in hängenden Trauben.
Die Blütenhülle wird aus 9 bis 15 Blütenhüllblättern gebildet.
Die Pflanze ist zwittrig – männliche und weibliche Blüten befinden sich am gleichen Strauch. 
Der dekorative Strauch wirkt im Alter durch die Menge der roten Blüten sehr zierend.
Die Frucht ist eine vielsamige Beere, die 12 bis 24 Samen enthält.

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Pfeil nach oben Berberidopsis corallina,Farbdruck
Quelle: wikipedia

Ökologie

Die immergrüne Pflanze ist in halbschattigen Wäldern mit Niederschlägen von ca. 1500 mm zu finden.
Sie braucht einen tiefgründigen, humosen und kalkfreien Boden für ein gutes Gedeihen – kommt aber auch mit schwierigen und nährstoffarmen Standorten zurecht.
An einem  windgeschützten, halbschattigen Waldstandort, der zur warmen Wetterseite offen ist, fühlt sich die Pflanze wohl.
Sie ist an ihren Naturstandorten in Chile sehr selten geworden.

Erfahrungen in Mitteleuropa

Selbst in England ist die Pflanze noch schutzbedürftig – d. h., dass sie in Mitteleuropa nicht ohne Glashausüberwinterung auskommt.
Die Vermehrung erfolgt i.d.R. durch Samen, der aber 12 Monate und mehr überliegen kann und dessen Keimkraft darüber hinaus gering ist.
Eine Vermehrung durch Stecklinge, die in halbreifem Zustand geschnitten werden, ist üblich. 
Die jungen Pflanzen sind bezüglich der Pflege anspruchsvoll und müssen in den ersten Jahren im Kalthaus gehalten werden.
Später sollte den Pflanzen eine Kletterhilfe zur Verfügung gestellt werden.
Eventuelle geringe Frostschäden mit Blattverlust werden durch Wiederaustrieb ausgeglichen.

Kulturerfahrungen mit Berberidopsis sind begrenzt, da sie nicht sehr häufig angeboten wird und pflegebedürftig ist.
Wiederholte Kontrollen hinsichtlich Pilzbefall, Blattläuse, Spinnmilben u.a. sind erforderlich.
In St. Ulrich wird eine Pflanze im Glashaus gehalten.
Eigene Erfahrungen bestätigen die schwierige Haltung.
Pflanzen von Berberidopsis corallina  werden in England angeboten.
Saatgut kann direkt in Chile bestellt werden (Internet).
Auch hier besteht die Schwierigkeit in der Beschaffung von geeignetem, frischen Saatgut aus Chile.

Sie ist zusammen mit anderen, wertvollen Pflanzen aus Chile,  wie Lapageria, Philesia, Embothrium, Crinodendron u.a.  eine deutliche Bereicherung unserer, durch pflanzengeschichtliche Entwicklung, begrenzten Artenvielfalt.


Literatur

Hechenleitner P., Alarcón D.  et al: 
„Nuevas poblaciones de Berberidopsis corallina Hook. F. (Berberidopsidales: Berberidopsidaceae) en la region del Bio Bio, Chile: Ubicacion y conservacion de su habitat“.

H. Nimsch

 

Familie: Berberidopsidaceae (früher: Flacourtiaceae)

Namen
Deutsch: Korallenstrauch
Chilenisch: Chaquihue, Chequehue, Michay rojo, Voqui pilfuco, Voqui fuco, Coralillo
Englisch: Chile Lantern Tree


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Pfeil nach oben Berberidopsis corallina
Zweig mit Blüten
Foto: commons.wikimedia.org

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Pfeil nach obenBerberidopsis corallina
Jungpflanze in St. Ulrich
Foto: Hubertus Nimsch

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Pfeil nach obenBerberidopsis corallina
Einzelblüte , vergrößert. 
Foto: Chileflora, M. Belov, 2006

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Pfeil nach obenBerberidopsis corallina
Rankender Zweig
Foto: Diego Alarcon

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Pfeil nach obenBerberidopsis corallina
Früchte
Foto: Diego Alarcon

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Pfeil nach obenBerberidopsis corallina
Ehemaliges Verbreitungsgebiet Küstenkordillere,
National-Park Nahuelbuta, Araucaria araucana.
Foto: Hubertus Nimsch


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