Die "Interessengemeinschaft Alternativbaumarten“ (IGA), die sich praktisch und theoretisch mit der Problematik der Baumarten aus anderen Ländern auseinandersetzt, wurde von B. Mettendorf, Oberkirch und H. Nimsch, Freiburg initiiert und anlässlich der Gründungsversammlung in Weinheim an der Bergstraße in der Zeit vom 1.7. bis 3.7.2010 ins Leben gerufen.

Bild-11pfNachLinks Artenreicher Waldrand mit Strauchgürtel
Arboretum Freiburg
Foto: H. Nimsch

Die „IG Alternativbaumarten“ soll eine Plattform für Waldbesitzer und Forstleute sein, die das verstreute Wissen von Spezialisten und Interessierten sammelt, austauscht und komprimiert.
Gerade auch im Zusammenhang mit der zu erwartenden Klimaerwärmung und deren negative Folgen für unseren Wald sind heute Überlegungen über die zukünftige Baumartenzusammensetzung erforderlich.
Der prognostizierte Ausfall einiger heimischer Baumarten zwingt Waldbesitzer und Forstleute dazu.

Wenig hilfreich sind dazu die konservativen Dogmen aus dem Naturschutz – sie ignorieren eine geschichtliche, seit Tausenden von Jahren statt findende, sich fortlaufend ändernde, Waldzusammensetzung ebenso, wie die von Fachleuten festgestellten und vorhergesagten Ausfälle von heimischen Gehölzen wie Esche, Ahorn, Fichte u.a.
Waldeigentümer und Forstleute müssen aber bekanntlich in zeitlich anderen Dimensionen denken bzw. handeln und können sich nicht mit einem bedenklichen Ist-Zustand des Waldes zufrieden geben. (Umtriebszeit = wirtschaftliche Nutzungszeiträume eines Waldes von ca. 100 Jahren).
Die Initiatoren sehen im Naturschutz eine sehr wichtige und ausbaufähige Institution unserer Gesellschaft – sie wollen keineswegs eine grenzenlose Überfrachtung heimischer Wälder mit Baumarten aus anderen Regionen – aber sie wollen deutlich ausdrücken, dass infolge der zu erwartenden Klimaveränderung ein Umdenken erforderlich sein wird.
Dem Waldeigentümer, der von seinem Wald lebt, kann bezüglich krisenfester Baumarten nicht vorgeschrieben werden, welche Baumartenzusammensetzung er wählt.

 

Die geschichtliche Entwicklung des Anbaues von außereuropäischen Baumarten war eine durch Euphorie geprägte Anbau- und Versuchswelle nach 1880, die sowohl durch Fehlschläge als auch durch Erfolge gekennzeichnet war.
Die Holznot nach dem 2. Weltkrieg brachte auf der Suche vor allem nach zuwachsstarken Baumarten dann nochmals verstärkte Anbauten – vor allem Douglasie, Roteiche, Japanerlärche und regional auch Schwarznuss.
Danach wurde es zunehmend ruhig um diese Baumarten, jedoch haben Douglasie Roteiche und regional auch Schwarznuss inzwischen ihren festen Platz in der forstlichen Baumartenpalette.
Die Hinwendung zum naturnahen Waldbau in den letzten 20 bis 30 Jahren in Verbindung mit einer zunehmend kritischen Betrachtung nicht heimischer Baumarten seitens des Naturschutzes führte dazu, dass das Thema nahezu vollkommen aus dem Blickfeld geriet.
Da dies auch für die forstliche Lehre gilt, verfügen jüngere Forstpraktiker kaum noch über ein breites verfügbares Wissen in diesem Bereich – Douglasie und Roteiche vielleicht ausgenommen.
(B. Mettendorf)

Bild-22pfNachLinks Mischwald aus Douglasie, Tanne, Buche, Ahorn
Arboretum Freiburg
Foto. H. Nimsch


Die allgemeine Schlagwortwahl wie Exoten, Fremdländer, gebietsfremde Baumarten, Neophyten/Archaeophyten, Gastbaumarten und andere, zeigt schon wie strittig die neuen Baumarten je nach Interessenslage und Zeitgeist gesehen wurden und werden.
Eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema ist sinnvoll aber auch notwendig.
Jede Art von Vorurteilen ist dabei nicht hilfreich.
Überlegungen der letzten Jahre im Zusammenhang mit dem Klimawandel haben das Interesse an einer Ergänzung der schmalen, heimischen Baumartenpalette erneut aufleben lassen.
Dazu haben die Initiatoren einige Ziele formuliert:

  • Wissensaustausch: Durch die jahrzehntelange Vernachlässigung der alternativen Baumarten in der Aus- und Fortbildung fehlt es allgemein an Wissen über sie. Zum Teil haben aber erfahrene Forstleute und Institutionen umfangreiches Spezialwissen, das sie weniger Sachkundigen und einem breiteren Interessenkreis vermitteln können.
  • Fortbildung durch Exkursionen und Vorträge. Bestes Mittel zur Motivation und fachlichen Diskussion sind gelungene Beispiele.
  • Die Herausgabe von Merkblättern zu einzelnen Arten wird als notwendig erachtet. Ob dies die IG leisten kann ist offen. Geprüft werden soll aber die Möglichkeit, hierzu mit anderen Institutionen zu kooperieren
  • Bessere Versorgung mit herkunft-gesichertem Vermehrungsgut durch Nachfrage-Bündelung und Kooperation mit Baumschulen. Für viele neue Baumarten steht kaum Vermehrungsgut gesicherter Herkunft zur Verfügung. Und die Baumschulen werden nur dann Pflanzen nachziehen und anbieten wenn Nachfrage besteht.
  • Abbau von Vorbehalten und Ristriktionen gegen alternative Baumarten im Politischen Raum und bei Verbänden (hier vor allem aus dem Bereich des Naturschutzes). Dazu muss Aufklärung geleistet werden z.B. über die Wechselwirkungen zwischen „Neubürgern“ und heimischen Arten. Beschränkungen gegenüber neuen Baumarten über Vorschriften, Förderpolitik und Zertifizierungen muss auch politisch entgegengewirkt werden.
  • Kooperation mit Institutionen und Organisationen, mit denen Überschneidungen bestehen. So wird z.B. die AG Gastbaumarten (s. AFZ-Der Wald N° 4/2020, S. 4) als Kooperationspartner gesehen, der vor allem Forschungsergebnisse aufbereitet und verfügbar macht und die Vorhaben der Forstverwaltungen und Forschungsinstitute koordiniert.
    Ähnliche Arbeit leisten forstliche Versuchsanstalten. IG Nuss, IG  Esskastanie und IG Eibe widmen sich jeweils einer (neuen) Baumart.
  • Dringender Handlungsbedarf wird vor allem darin gesehen, das Wissen Einzelner „auf die Fläche“ zu bringen. Das Interesse der Praxis wächst zwar spürbar. Es fehlt jedoch an handhabbaren Informationen, wie z.B. Merkblättern und an Pflanzgut. (B. Mettendorf)

 

Nach der erfolgreichen Gründungsversammlung mit Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet und der anschließenden Exkursion im Bereich Weinheim trafen sich die Mitglieder und Interessenten der IG zur 2. Jahrestagung vom 2.6. bis 4.6.2011 im bekannten Waldarboretum bei Wuppertal.
Der langjährige Leiter des Arboretums Burgholz, H. Dautzenberg, ließ diese Tagung zu einem Erlebnis werden, sowohl hinsichtlich der dort gemachten Erfahrungen als auch der Aussagekraft bezüglich zukünftiger Verwendung in anderen Bundesländern.

Die 3. Jahrestagung fand vom 7.6 bis 9.6.2012 in Bad Grund statt.
Der Leiter des Arboretums, D. Mann, überzeugte nicht nur mit „seinem“ Arboretum sondern konnte sehr interessante Exkursionspunkte in der näheren und weiteren Umgebung präsentieren.

Einen Höhepunkt wird die Jahrestagung 2013 der IG im Arboretum Tervuren in Belgien darstellen.
Mit seinen großflächigen, alten Anbauten wird deren Leiter, W. Emmerechts, ganz sicher die hohen Erwartungen erfüllen können
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