Retrophyllum C.N. Page

Die Gattung Retrophyllum umfasst 5 Arten:

Retrophyllum comptonii in Nouvelle-Calédonie
Retrophyllum minus in Nouvelle-Calédonie
Retrophyllum vitiense in Fiji, Indonesia, Papua New Guinea,
    Solomon-Island, New Britain und Santa Cruz-Island.
Retrophyllum piresii in Brasilien
Retrophyllum rospigliosii in Kolumbien, Venezuela und Peru

Fossile Funde von Retrophyllum sind aus Australien und Neuseeland bekannt und bestimmt worden.
Sie stammen aus dem Känozoikum (im frühen Miozän, vor ca. 20 Mio. Jahren)

Verbreitung Retrophyllum im pazifischen Raum

pfNachOben Retrophyllum (comptonii, minus, vitiense)
Verbreitungskarte Pazifik-Region

 Verbreitung Retrophyllum im südamerikanischen Raum

pfNachOben Retrophyllum (piresii, rospigliosii)
Verbreitungskarte Südamerika

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  Retrophyllum comptonii   Retrophyllum minus
1 Juveniler Zweig, nat. Gr. 9 Juveniler Zweig, nat. Gr.
2 Blattansatz am Trieb, nat. Gr. 10 Adulter Zweig mit Blütenzapfen, nat. Gr.
3 Zweig mit männl. Blütenzapfen,
nat. Gr.
11 Männl. Blütenzapfen x 3
4 Männl. Blütenzapfen x 4 12 Blütenzapfenschuppe, lateral und dorsal, x 6
5 Männl. Blütenzapfenschuppe,
dorsal und lateral, Pollensack.
13 Unreife Frucht, nat. Gr.
6 Unreife Frucht, nat. Gr. 14 + 15 Reife Früchte, nat. Gr.
7 + 8 Reife Früchte, nat. Gr.    
pfNachOben Retrophyllum (Decussocarpus)
nach Zeichnungen aus D-J.de Laubenfels

Retrophyllum comptonii  (J.T. Buchholz) C.N. Page

Syn.
Decussocarpus comptonii  (J.T. Buchholz) De Laub.
Nageia comptonii  (J.T. Buchholz) De Laub.

Etymology
Die Art wurde benannt nach dem Botaniker und Pflanzensammler R.H. Compton (1886 – 1979)

Verbreitung
Retrophyllum comptonii ist endemisch in Nouvelle-Calédonie.
Ihre Vorkommen sind in montanen Regenwäldern in 600 bis 1450 m Höhe über die ganze Grande Terre verteilt – vom Mt. Taom und Mt. Ignambi im NW bis nach Port Boisé im SO.
Die Art wächst überwiegend auf Verwitterungsböden ultrabasischer Gesteine, aber auch auf kristallinen Schiefern und Gneisverwitterungsböden im Bereich des Mt. Panie.
Die Niederschläge im Verbreitungsgebiet der Art reichen von ca. 2000 mm in den Plaine des Lacs im Süden bis 4000 mm ( bis 8000 mm) im Bereich des Mt. Panie im Norden.
Sie ist sehr schattentolerant und wächst zusammen mit anderen Koniferen wie Agathis, Falcatifolium, Araucaria und Acmopyle sowie vielen Angiospermen-Arten.

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pfNachOben Retrophyllum comptonii
Verbreitung, Nouvelle-Calédonie 

Beschreibung
Der immergrüne Baum wird i.M. 10 bis 15 m hoch, kann aber auch 30 m Höhe erreichen.
Die Rinde ist graubraun, längs gefurcht und löst sich an älteren Bäumen in Streifen ab.
Die Nadeln sind polymorph. An Jungtrieben sind sie zweizeilig angeordnet, an älteren Pflanzen sind sie vierzeilig, stehen kreuzweise gegenständig und werden bis 15 mm (bis 25 mm ) lang. An den starken Haupttrieben sind die Nadeln kürzer, dreieckig bis eiförmig und bis 6 mm lang.
Die Samen sind rund bis birnenförmig, bis 20 mm lang, zuerst grün, dann rot und später braun-schwarz vertrocknend.

Gefährdung
Durch IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) wird der Art die Schutzkategorie Lr = Lower risk (Geringe Gefährdung) zugeordnet.
Die weite Verbreitung der Art in der Grande Terre und die damit verbundene geringere Gefährdung ist die Ursache für die IUCN-Einstufung.

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pfNachOben Retrophyllum comptonii
Zweig mit unreifen Früchten
Nouvelle-Calédonie
Foto: © B. Suprin

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pfNachOben Retrophyllum comptonii
Zweig mit fast reifer Frucht
Foto: © B. Suprin

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pfNachOben Retrophyllum comptonii
Jungpflanze, Seitenzweig
Mt. Dzumac, Nouvelle-Calédonie
Foto: © H. Nimsch

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pfNachOben Retrophyllum comptonii
Jungpflanze
Mt. Dzumac, Nouvelle-Calédonie 
Foto: © H. Nimsch

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pfNachOben Retrophyllum  comptonii
unreife Frucht
Mt. Dzumac, Nouvelle-Calédonie
Foto: © H. Nimsch

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pfNachOben Retrophyllum  comptonii
Frucht, vergrößert
Foto:© B. Suprin


Retrophyllum minus (Carriere) C.N. Page

Syn.
Decussocarpus minus  (Carriere) De Laub.
Nageia minor  Carriere
Podocarpus minus  (Carriere) Parl.
Podocarpus palustris  Buchholz
Retrophyllum minor  (Carriere) C.N. Page orth. var.

Etymology
Der lateinische Name der Spezies „minus“ bezieht sich auf die geringe Größe des Baumes. Die Art ist auch die kleinste der Gattung.

Namen
Französisch: Bois bouchon

Verbreitung
Retrophyllum minus ist nur in Nouvelle-Calédonie im südlichen Teil der Insel in den Plaine des Lacs auf ultrabasischen Böden verbreitet.
Das hauptsächliche Vorkommen der endemischen Art ist im Bereich des Yaté-Flusses, Lac en Huit und Grand Lac in Höhenlagen bis 200 m über NN zu finden.
Die Art ist abhängig von den dauernd wasserführenden Flüssen und den von wechselnden Wasserständen geprägten, meist flachen Seeufern.
Sie wächst innerhalb der Gewässer oder in unmittelbarer Nähe derselben. Auch vorübergehende, teilweise sehr hohe Überflutungen, die gut an den in den Kronen verbliebenen Schwemm-Materialien zu erkennen sind, erträgt die Art gut.

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pfNachOben Retrophyllum minus
Verbreitung, Nouvelle-Calédonie

Beschreibung
Retrophyllum minus ist ein kleiner, nur bis 3 m hoch werdender Baum, der nur im Süden der Grande Terre vorkommt.
Seine braun-graue Borke ist rauh, längsrissig und löst sich im Alter in vertikalen Streifen ab.
Die Blätter sind polymorph. Die bis 40 mm langen, juvenilen Blätter stehen zweizeilig, an den Kurztrieben 10 bis 20 mm lang, dichtstehend und vierzeilig.
An den Haupttrieben sind die Nadeln bis 5 mm lang, stumpf dreieckig bis elliptisch.
Die birnen- oder kugelförmigen Früchte haben eine rauhe und poröse Oberfläche, werden bis 20 mm lang, verfärben sich von grün über violettgrün bis rot und werden zur Reifezeit schwarz.
Die schwimmfähigen Früchte werden durch das Wasser verbreitet.
Die geringe Begleitvegetation beschränkt sich auf die unmittelbar angrenzenden Uferbereiche.
In direkter Nachbarschaft zu Retrophyllum minus in dauerndem Überflutungsbereich habe ich Dacrydium guillauminii und Dacrydium x suprinii gefunden.
Die kleinen Bäume haben oft eine rotbraune Färbung, deren Ursache der Staub der eisenoxydhaltigen Böden ist.
Das Holz ist leicht , weich und von fast schwammiger Konsistenz (siehe Abb.). Eine Gefahr durch Nutzung des geringwertigen Holzes besteht nicht.

Gefährdung
In der Liste der bedrohten Arten = IUCN ( International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) ist die Art als gefährdet (Endangered B1 ab 3.1) aufgrund ihres sehr begrenzten Verbreitungsgebietes eingestuft.
Die Gefahr des Aussterbens der Art ist bei der fehlenden Erweiterung der Schutzmaßnahmen zu befürchten.
Schon jetzt wird die Gesamtpopulation der erwachsenen Individuen auf nur noch 2500 Exemplare geschätzt.
Ein weiterer Verlust erwachsener Pflanzen wird prognostiziert.
Die Gefährdung durch Maßnahmen des Tagebergbaues und des örtlich intensiven Besucherandranges ist gegeben.
Eine bereits bestehende Schutzzone in den Plaine des Lacs sollte durch eine Erweiterung den Schutz der Art sicherstellen.

14 Retrophyllum 13 minus

pfNachOben Retrophyllum minus
Frucht
nach Eckenwalder “Conifers of the World”

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pfNachOben Retrophyllum minus
Solitär, Lac Intermediaire
Foto: © B. Suprin

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pfNachOben Retrophyllum minus
sehr alter Solitär
Lac en Huit, Nouvelle-Calédonie
Foto: © B. Suprin

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pfNachOben Retrophyllum minus
Holzscheibe, Radialschnitt

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pfNachOben Retrophyllum minus
Solitär auf dauernd überflutetem Standort
Chutes de la Madeleine, Rivière des Lacs, Nouvelle-Calédonie
Foto: © H. Nimsch

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pfNachOben Retrophyllum minus
Zweige eines Altbaumes
Plaine des Lacs, Nouvelle-Calédonie
Foto: © H. Nimsch

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pfNachOben Retrophyllum minus
Zweige eines Altbaumes mit Blütenansatz
(Bild anklicken für vergrößerte Darstellung)
Plaine des Lacs, Nouvelle-Calédonie
Foto : © H. Nimsch

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pfNachOben Retrophyllum minus
Altbaum mit Früchten
Plaine des Lacs, Nouvelle-Calédonie
Foto: © B. Suprin

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pfNachOben Retrophyllum minus
Altbaum, bois bouchon
Plaine des Lacs, Nouvelle-Calédonie
Foto: ©  H. Nimsch

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pfNachOben Retrophyllum minus
sehr alter Solitär
Lac en Huit, Nouvelle-Calédonie
Foto: © B. Suprin

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pfNachOben Retrophyllum minus
Früchte mit und ohne Schale
Foto: © H. Nimsch


Retrophyllum piresii (Silba) C.N. Page

Syn.
Decussocarpus piresii  Silba
Nageia piresii (Silba) De Laub.

Etymology
Die Art wurde nach einem der Sammler, J.M. Pires, benannt.

Verbreitung
Retrophyllum piresii ist nur aus der Provinz Rondônia, National Park Serra dos Pacahas Novos, Brasilien bekannt.
Ihr Standort ist ca. 1000 Meilen vom nächsten Standort der Art Retrophyllum rospigliosii entfernt.
Der Typ der Art wurde in 250 m über NN gesammelt. Weitere Daten der Art sind nicht bekannt.
(Zur Systematik dieser Art bestehen bei den Autoren unterschiedliche Auffassungen. Identisch mit Retrophyllum rospigliosii ?).

Beschreibung
Die immergrünen, tropischen Bäume werden bis 30 m hoch und erreichen einen BHD-Durchmesser von 80 cm.
Schattenzweige hängend, Nadeln an jungen Zweigen zweizeilig, an älteren Seitenzweigen spiralig, kammförmig angeordnet.
Die Nadellänge beträgt (5 mm) 8 bis 11 mm und die Nadelbreite 2 bis 3,5 mm. Stomata ist auf beiden Seiten zu finden.
Die Frucht einschließlich des Epimatiums ist ellipsoid, 20 bis 22 mm x 10 bis 14 mm, zunächst grün, zur Reifezeit bräunlichrot, Samen 12 bis 14 mm x 7 bis 8 mm.

 

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pfNachOben Retrophyllum piresii
Brasilien
Foto: © J. Miranda

Gefährdung
Retrophyllum piresii ist nur aus der Provinz Rondônia bekannt.
Nach IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) in die Kategorie DD eingeordnet = Data deficient = zur Beurteilung keine ausreichenden Daten bekannt.


Retrophyllum rospigliosii  (Pilger) C.N. Page

Syn.
Decussocarpus rospigliosii (Pilger) De Laub.
Podocarpus rospigliosii Pilger
Nageia rospigliosii (Pilger) De Laub.

Etymology
Benannt nach  Dr. C.J. Rospigliosi, Natural History Museum, Lima, Peru
Ecuadorianischer Name: Pino romerón,
weitere Namen: pino hayuelo, pino laso, pino de montana, romerillo macho.

Verbreitung
Die Art ist in den tropischen, montanen Regenwäldern von Kolumbien, Venezuela und Peru i.d.R. in Höhen von 1500 m bis 3300 m über NN beheimatet (In den Amazonas-Wäldern von Peru aber auch schon ab 250 m über NN und in Kolumbien und Peru auch bis 3750 m über NN).
Die einzigen Koniferen Ecuadors gehören zur Familie der Podocarpaceen, es sind dies Podocarpus oleifolius und Retrophyllum rospigliosii.
In der südecuadorianischen Provinz Loja befindet sich der 146280 ha große Podocarpus–Nationalpark mit 3000 – 4000 Pflanzenarten.
Außerhalb dieses NP kommt die Art R. rospigliosii nicht mehr vor.
Sie ist die größte Konifere in den nördlichen Anden.
Die Standorte der Art in den montanen Wolkenwäldern sind geprägt durch hohe Niederschläge.

Beschreibung
Die immergrünen, tropischen Bäume werden bis 45 m hoch und können bis 200 cm BHD-Durchmesser erreichen.
Die Nadeln an jungen Zweigen stehen gegenständig, zweizeilig, sind eilanzettlich, bis 22 mm lang und haben beiderseits Stomata.
Die Schattenzweige sind hängend.
Die fleischige Außenschale der Frucht ist zunächst grün, sie wird später rot bis blauschwarz und 20 bis 30 mm x 16 mm.
Der Samen ist 15 x 11 mm groß.
In Venezuela wird die Art zu Aufforstungen verwendet.

Gefährdung
Wegen der Wertigkeit des Holzes ist die Art in zugänglichen Gebieten einer starken Übernutzung ausgesetzt oder auch durch Raubbau gefährdet.
Nur in unerschlossenen Gebirgslagen ist die Art (noch) gesichert.
Nach IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) ist Retrophyllum rospigliosii in die Schutzkategorie Vulnerable = Verwundbar eingestuft. VU (A 4 c-d)

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pfNachOben Retrophyllum rospigliosii
Zweig einer jungen Pflanze
Foto: © A. Jagel, Uni Bochum

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pfNachOben Retrophyllum rospigliosii
Zweig einer älteren Pflanze
Foto: news.mongabay.com

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pfNachOben Retrophyllum rospigliosii
Urwaldriese in Peru
Foto: news.mongabay.com


Retrophyllum vitiense (Seem.) C.N. Page

Syn.
Podocarpus vitiensis Seem.
Nageia vitiensis (Seem.)  Kuntze
Decussocarpus vitiensis  (Seem.) De Laub.

Namen
In Fiji: Dakua Salusalu

Etymology
Nach der Fiji Insel Viti Levu benannt, von der die erste Beschreibung der Art stammt.

Verbreitung
Die Art hat ein relativ großes Verbreitungsgebiet, es reicht vom Süden von Fiji über die Solomon Islands, die Santa Cruz Islands, New Britain, Papua New Guinea bis zu den Molukken im Norden.
Retrophyllum vitiense ist ein hoher Baum der niederen und montanen, tropischen Regenwälder.
Die vielseitige Verwendung des wertvollen Holzes hat bereits in den
verschiedenen Vorkommen der Art zu raubbauartigen Nutzungen in den gut erreichbaren und leicht zu erschließenden Naturwäldern geführt.

Beschreibung
Immergrüner, tropischer Baum mit Höhen bis 20 m (bis 40 m, von New Ireland wird von 60 m berichtet) und BHD-Durchmessern bis 1 m.
Er hat eine ausgebreitete Krone mit überhängenden Ästen.
Die Rinde ist braun bis rotbraun.
Die Nadeln an Jungpflanzen werden bis 40 mm, bei älteren Pflanzen bis 30 mm lang, sie stehen zweizeilig gegenständig und sind glänzend grün.
Die Frucht ist bläulichrot, oval birnenförmig, bis 20 mm lang, mit einer kleinen Spitze.

 

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pfNachOben Retrophyllum vitiense
Fiji

Gefährdung
Im Bereich der Naturvorkommen sind wegen Umwandlungen in landwirtschaftliche Nutzung oder unkontrollierter Brandlegung zur Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen erhebliche Flächen auf Dauer verloren gegangen.
Dasselbe gilt für die unkontrollierte Kahlschlagwirtschaft.
Nach IUCN ( International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) ist die Art als LC = Least concern = nicht gefährdet, eingestuft, da die oben genannten Schädigungen wohl nur als örtliche Vorkommnisse bewertet wurden.

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