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Metasequoia glyptostroboides

Metasequoia glyptostroboides
H. H. Hu
et W. C. Cheng 1948

Syn.:
Sequoia glyptostroboides
(Hu et Cheng) Weide

Metasequoia honshuensis

Silba et F.T. Callahan

Metasequoia neopangea
Silba.

Die Varietät Metasequoia glyptostroboides var. caespitosa Y. H. Long et Y. Wu wurde in die Art eingegliedert.

Chinesisch: Shui shan  
Englisch: Dawn Redwood
Französisch: Séquoïa de Chine
Deutsch: Chinesisches Rotholz, Urweltmammutbaum
Japanisch: Metasakoia.


Die monotypische Gattung Metasequoia wird zur Familie der Cupressaceae, Subfamilie Sequoioideae gezählt. Nach anderer Auffassung ist sie zu der Familie der Taxodiaceae zu rechnen. Der Name leitet sich aus dem griechischen: „metá“ = hinter und „sequoia“ ab, d.h. die Gattung steht entwicklungsgeschichtlich hinter der Gattung Sequoia, ist also noch älter als diese.

Geschichtliche Entwicklung

Fossile Vertreter der Gattung Metasequoia waren zu Beginn des Tertiärs weit  über die nördlichen Teile von Nordamerika, Nordeuropa und Nordasien verbreitet.
Die Nordgrenze der Verbreitung lag beim 82.° n. Br.. Prof. Chaney hat nachgewiesen, dass z.B. die fossile Metasequoia occidentalis im Eozän weit in heute arktischen Gebieten (z.B. Spitzbergen) verbreitet war, da die klimatischen Bedingungen zu dieser Zeit gänzlich anders waren.
Zusammen mit anderen Baumarten teilten Metasequoia und Ginkgo im Tertiär den gemeinsamen Lebensraum im hohen Norden.
Mehr als 20 fossile Arten der Metasequoia sind beschrieben worden.
                              
Im Jahr 1941 publizierte der japanische Paläobotaniker Shigero Miki von der Kyoto Universität die in tertiären Ablagerungen Japans gefundenen Pflanzenteile und stellte die Gattung Metasequoia auf.
Etwa zur gleichen Zeit, Ende 1941, bereiste Prof. T. Kan Forstwissenschaftler der Universität Nanjing, das Grenzgebiet der Provinzen Hubei und Sichuan und fand dort eine sommergrüne Baumart, deren botanische Zuordnung zunächst nicht möglich war.
Erst am 21. 07.1943 sammelte C. Wang einige Proben des Baumes für weitere Untersuchungen.
Im Dezember 1946 berichtete H.H. Hu über die Entdeckung lebender Bäume der Gattung Metasequoia in der Provinz Hubei.
Die Wissenschaftler H.H. Hu und W.C. Cheng veröffentlichen am 10.Mai 1947 gemeinsam die Erstbeschreibung der Metasequoia glyptostroboides H.H. Hu et W.C. Cheng.
Im September 1947 fand Ching-Tsan Hwa das Metasequoia-Valley und sammelte ca. 2 kg Samen von verschiedenen Bäumen.
Am 24.12.1947 und am 26.12.1947 sendet W.C. Cheng, Universität Nanjing, Saatgut an das Arnold Arboretum und den Missouri Botanical Garden St. Louis, USA, des weiteren an den Botanischen Garten Kopenhagen, an das Hoersholm Arboretum, an den Charlottenlund Forest Bot. Garden in Dänemark, an den Amsterdam Bot. Garden, Niederlande und nach Indien.
Im Januar 1948 kamen die ersten Metasequoia-Samen in Deutschland zur Verteilung.
Im Jahr 1973 wird von der chinesischen Regierung das Metasequoia Naturreservat Xiaohe, Lichuan, Provinz Hubei eingerichtet.
In den Folgejahren 1974, 1978 und 1984 wurde der gesamte, heimische Bestand der Metasequoia erfasst.
Das Ergebnis der letzten Inventur 1986-1988 ergab einen Gesamtbestand von 5746 Bäumen mit einem BHD von über 20 cm Durchmesser.
Das gesamte Verbreitungsgebiet der Metasequoia erstreckt sich über annähernd 800 qkm in einem Radius von etwa 200 km.
Die Stadt Pizhou – auch Pi Xian – China, pflanzte seit den 1970er Jahren mehr als 5 Millionen Metasequoia.
Sie besitzt damit die größte Population dieser Baumart außerhalb des Naturstandortes in Lichuan, Provinz Hubei.
Außerhalb Chinas wurde im Jahr 1990 von John E. Kuser, Rutgers Universität, New Jersey in Kooperation mit Ming He Li von der Huazhong Landwirtschafts Universität in Wuhan, Provinz Hubei, ein ex situ Programm initiiert.
50 Klone von Mutterbäumen wurden selektiert und in Ryders Lane, New Jersey und in Daves Arboretum, Ohio kultiviert.

Systematik

Die vom japanischen Paläontologen S. Miki aufgestellte Gattung Metasequoia wies deutliche Ähnlichkeiten zu den verwandten Gattungen Sequoia und Sequoiadendron auf.
Erst das nach der Entdeckung der Metasequoia ausgewertete Pflanzenmaterial stellte die Unterschiede zu Sequoia und Sequoiadendron heraus.
Die gegenständige Stellung der Zweige, Blätter und Zapfenschuppen dokumentierten diesen Unterschied.
Die chinesischen Botaniker H. H. Hu und W. C. Cheng versuchten die Metasequoia in eine eigene Familie, Metasequoiaceae, zu stellen (die man auch als Vorfahre der Cupressaceae betrachten könne).
Andere Wissenschaftler sehen in den Merkmalen der Metasequoia ein Argument die Taxodiaceae und die Cupressaceae zu vereinen.

Verbreitung

Die Metasequoia hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in der Provinz Hubei im Bereich des 30. Breitengrades in Höhenlagen von 700 bis 1500 m über NN.
Weitere Vorkommen befinden sich in den angrenzenden Provinzen Sichuan und Hunan.
Das Klima im Verbreitungsgebiet ähnelt dem mediterranen Klima mit einer Durchschnittstemperatur von 17 °C und etwa 1050 mm Niederschlag.
Die Sommer sind warm und die Winter mild und trocken. Schnee und starke Kälte sind relativ selten.
Die Metasequoia wächst am heimatlichen Standort in Mischwäldern mit einem hohen Anteil von Laubbäumen (Liquidambar formosana; Rhus verniciflua; Castanea sequinii; C. henryi; C. mollissima; Machilus lichanensis; Pterocarya; Salix; Populus) und einem geringen Anteil anderer Nadelbäume (Cephalotaxus, Cunninghamia).
Sie gedeiht dort auf relativ feuchten Standorten in sonniger bis schattiger Lage auf sandigen, leicht sauren bis neutralen Böden.
Das Typus-Exemplar ist noch am Leben und steht am Rande von Modaoxi, etwa 35 km nördlich vom Dorf Xiaohe.
Künstliche Anbauten der Metasequoia finden sich heute in über 50 Ländern der Erde, so auch in Russland, Kenya und Indonesien.
Die südlichsten Anpflanzungen gibt es in Bariloche (Argentinien, ca. 41° s. Br.) und die nördlichsten in St. Petersburg (Russland, ca. 60° n. Br.).

Botanische Merkmale

Die Höhenangaben des sommergrünen Baumes reichen von 30 bis 60 m, sie liegen wahrscheinlich eher bei 30 bis 40 m.
Der Durchmesser (BHD) kann über 200 cm erreichen.
Ähnlich verhält es sich mit den maximalen Altersangaben der Metasequoia.
Sie variieren zwischen 400 und 1000 Jahren und sind wohl noch nicht korrekt ermittelt worden.
Die Metasequoia hat eine lichtgrüne Nadelfärbung, die sich im Herbst in eine kupferbraune bis kupferrote Farbe verwandelt.
Der Baum kann leicht mit Taxodium verwechselt werden, doch zeigen sich folgende Unterschiede:
Während die Metasequoia gegenständige Zweige, Blätter und Zapfenschuppen hat, sind diese bei Taxodium und anderen Taxodiaceen wechselständig.
Das Sprosssystem der Metasequoia ist deutlich in Lang- und Kurztriebe gegliedert.
Die Nadeln sind zweireihig am Zweig angeordnet, linealisch und 8 bis 25 mm lang.
Sie fallen im Herbst zusammen mit den Kurztrieben ab.
Die Borke ist dunkelgrau bis braun, rissig und löst sich in Streifen ab.
Ältere Stämme haben oft eine verdickte Stammbasis.
Die in Europa oft zu beobachtenden Kehlungen (Spannrückigkeit) im unteren Stammbereich des Baumes konnten nach eigenen Beobachtungen in China nicht oder nur zu einem geringen Anteil festgestellt werden.
Nach dieser Feststellung wird vermutet, dass die Ursache dafür in der in Europa üblichen Stecklingsvermehrung (von gleichen, spannrückigen  Individuen) zu suchen ist.
Den Nachweis dafür könnte ein Vergleich mit Metasequoia-Pflanzen, die aus generativer Vermehrung stammen, bringen.
Auch ein Vergleich mit der im Jahre 1990 von J. E. Kuser, Rutgers Universität, New Jersey angelegten Klonpflanzung von 50 selektierten Mutterbäumen, könnte klärend sein.
Die Metasequoia ist monözisch, ihre ♂ Blüten sind achsel- oder endständig in Trauben oder Rispen gegenständig angeordnet.
Die ♀ Blüten haben etwa 22 bis 26 kreuzweise gegenständige Samenschuppen, die jeweils obersten und untersten sind steril.
Die kugeligen bis ovalen Zapfen sind etwa 25 mm dick, die fertilen Samenschuppen enthalten meist 5 bis 6 Samen, die ringsum beflügelt sind.
In Europa wurden, nach der Einführung 1946 bis 1949, die ersten ♀ Blüten nach ca. 30 Jahren und die ersten ♂ Blüten nach ca. 50 Jahren beobachtet.
Die ersten produzierten Samen waren natürlich nicht fertil.
Wie bei Glyptostrobus und Taxodium ist die Chromosomenzahl: 2n = 22.
Die Vermehrung erfolgt über Aussaat im Frühjahr unter Verwendung eines Substrates mit hohen Anteilen scharfen Sandes und geringen Anteilen von Humus und Torf.
Vorsicht bei der Aussaat:
Botrytis cinerea - ein Schimmelpilz kann in kurzer Zeit die Sämlinge vernichten und die Erreger der Umfallkrankheit der Gattungen Rhizoctonia und Pythium erfordern den Einsatz von Fungiziden.
Eine Stecklingsvermehrung mit Spätsommer-Stecklingen oder mit verholzten Winterstecklingen ist üblich.

Verwendung als Waldbaum

Die Verwendung der Metasequoia als Waldbaum in Europa hat sehr unterschiedliche Ergebnisse erbracht.
Die Versuchsanbauten auf sehr unterschiedlichen Standorten und unter verschiedenen Klimabedingungen waren zu einem größeren Teil nicht befriedigend.
Eine anfängliche Euphorie mit einer neuen Baumart zu experimentieren ist einer weitgehenden Ernüchterung gewichen.
Obwohl für die Metasequoia eine Klimaregion genannt wird (USDA Zone 5, bis –25 °C) gab es Probleme mit Spät-Frostschäden.
Offensichtliche Probleme hat die Metasequoia auch mit dem auf Waldstandorten häufigen Armillariella-Pilz (Hallimasch).
Trotz dieser Negativ-Aspekte gibt es sehr gute Beispiele einer gelungenen Pflanzung auf Waldstandorten (z.B. Arboretum Weinheim, Baden).
In Parkanlagen, Botanischen Gärten und Arboreta ist der Baum häufig zu finden.
In China wird der Baum seit seiner Entdeckung in der Mitte des Landes zwischen dem 20. und 40. Grad n. Br. als raschwüchsige Wirtschaftsbaumart entlang von Strassen, Eisenbahnlinien, Kanälen sowie im Wald angepflanzt.


Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
Fossile Vorkommen auf der Nordhemisphäre aus der Oberkreide- und der Tertiärzeit
Einziges rezentes Vorkommen in China
roter Punkt:fossile Vorkommen
rotes Kreuz: rezentes Vorkommen
nach Schuster, 1989

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
Verbreitungskarte, Detail
nach Shen Z. aus Enzyklopädie der Holzgewächse

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
Verbreitungskarte, Überblick
nach Kammeyer, 1960

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
unreife Zapfen
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
li.: Taxodium,  mi.: Metasequoia,  re.: Ginkgo
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
chinesische Briefmarke


Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
reifer Zapfen
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
♂ Blütenstand
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
abgefallene reife Zapfen
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
Herbstfärbung
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
Zweig im Winterzustand
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
gepflanzter Bestand im Kaiserstuhl
Foto © H. Nimsch

Metasequoia

oben Metasequoia glyptostroboides
Rindenbild eines 40jährigen Baumes
Foto © H. Nimsch

 


Heute ist Metasequoia durch die menschliche Hilfe in ihr ehemaliges Verbreitungsgebiet zurückgekehrt – ja sie hat das Verbreitungsgebiet sogar ausgeweitet (siehe Karte über fossile Vorkommen).
Ein Vergleich mit dem Ginkgo bietet sich an, da dieser seinen Lebensraum während des Tertiärs vor 50-60 Millionen Jahren im hohen Norden mit der Metasequoia teilte, und heute wie diese in seinen alten Lebensraum – und darüber hinaus – zurückgekehrt ist.
L.- Maximilian Universität München.

 


Literatur

Ma, Jinshuang, 2003        
The chronology of the „LIVING FOSSIL Metasequoia glyptostroboides (Taxodiaceae):
A Review
1943 – 2003, Harvard         
Papers in Botany, Vol. 8, N° 1, 2003,
pp. 9 - 18

Shen, Zhang              
Enzyklopädie der Holzgewächse
ecomed-Verlag, Landsberg/Lech,
nun WILEY-VCH Verlag, Weinheim

Jung, W.                  
„Die Metasequoia, ein zum Leben erwecktes Fossil“, Institut für Paläontologie und Historische Geologie,
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