Abies tazaotana S. Côzar ex Villar 1947
Syn.:
Abies pinsapo var. tazaotana (S. Côzar ex Villar) Pourtet 1954
Abies ssp. tazaotana (S Côzar ex Villar) Govaerts 1995
  Namen
Deutsch: Mt. Tazaot-Tanne
Spanisch: Abeto de Tazaot
Englisch: Mt. Tazaot Fir
Französisch: Sapin de Tazaot


Familie Pinaceae | Unterfamilie Abietoidae

Die Abies tazaotana wird in der Systematik unterschiedlich eingeordnet.
T.S.Liu, 1971 ordnet sie als Varietät zu Abies pinsapo.
Pourtet, 1954 und Govaerts, 1995 beschreiben sie als eigenständige Art.
A. Farjon, 2010 und Debreczy, 2011 stellen sie zu Abies pinsapo var. marocana.

Verbreitung

Die Verbreitungsabgrenzung von Abies marocana zu Abies tazaotana wird von mehreren Autoren unterschiedlich angegeben – offensichtlich sind die Übergänge fließend.
Die beiden marokkanischen Abies-Arten sind mit der spanischen Abies pinsapo nahe verwandt.
Während Abies marocana im Jbel-Bouhalla-Massiv südlich von Tetuan, westlich von Chaouen und nördlich von Bab-Taza in einem geschlossenen, aber sehr locker bestockten, etwa 15000 ha umfassenden Waldbestand beheimatet ist, hat Abies tazaotana ihr Verbreitungsareal am Mt. Tazaot nordöstlich von Chassen in 1400 bis 1700 m Höhe über NN. 
Dieser Waldbestand mit der Angabe von 15000 ha vermittelt den Eindruck, dass es sich hier um einen nach mitteleuropäischem Standard geschlossenen Waldbestand handelt.
Das ist nicht so.
Es handelt sich vielmehr um einen ausgeplünderten, von Waldweide geprägten, lockeren Restwald, der nur in den unzugänglichen Steillagen noch Waldcharakter hat.

02 abies marocana abies marocana 02

obenVerbreitungskarte
1 - A. pinsapo,
2 - A. marocana
3 - A.tazaotana                                 
4 - A. numidica
  Abies tazaotana 01
oben Abies tazaotana
Solitär
Mt. Kelaa, Rif-Gebirge, Marokko
Foto: tetuangorgues.blogspot.com

 
Abies tazaotana 09
obenAbies tazaotana
Junger Baum
Foto: forums.gardenweb.com


  
07 abies marocana abies marocana 07 2 08 abies pinsapo 08 2 09 abies tazaotana 09 2
obenAbies marocana
Foto: © H. Nimsch

obenAbies pinsapo
Foto: © H. Nimsch

obenAbies tazaotana
Foto: © H. Nimsch

pfNachOben Vergleichspflanzung in Wakehurst, West-Sussex, England.
Vergleichstabelle
pfNachOben Vergleichstabelle A. pinsapo, A. marocana, A. tazaotana, A. numidica

Beschreibung

Die wenigen Angaben zu Höhen- und Massenwuchsleistungen sind sehr unterschiedlich und bedürfen einer genaueren Untersuchung.
Auf durchschnittlichen Böden werden bis 25 m Höhe, auf guten Standorten und Muldenlagen können auch 40 m Höhe erreicht werden.
Die maximalen Höhenangaben mit 50 m sind wohl nur ausnahmsweise bei der Abies tazaotana zu finden, denn die Abies marocana bleibt mit ihren durchschnittlichen Höhenwerten hinter denen der Abies tazaotana zurück.
Die Massenleistung eines lockeren Altbestandes werden für die Abies marocana mit bis 700 m³ angegeben – ganz ähnlich sind die Verhältnisse bei Abies tazaotana, da oft bei diesen Angaben keine Unterschiede zwischen diesen Arten gemacht werden.
Die Altersangaben von maximal 400 bis 500 Jahren beziehen sich auf beide Arten.

Die jungen Triebe der Art sind bräunlich, glänzend und kahl.
Die Winterknospen sind nicht harzig (oder leicht harzig).
Nadeln sind spitz und stechend, oberseits mit ein oder zwei Stomata-Reihen, unterseits mit deutlicher Stomata gekennzeichnet.

Abies tazaotana 08
obenAbies tazaotana
Nadelquerschnitt
Zeichnung nach Liu: A monograph of the genus Abies

Harzkanäle gibt es nur marginal.
Beim Autor, der Pflanzenmaterial vom Original-Standort hat, zeigen sich äußerlich deutliche Unterschiede zu Abies marocana.
Hier in St. Ulrich in 800 m über NN hat die Tanne minus 15°C ohne Schaden überstanden.

Abies tazaotana 07

obenAbies tazaotana
A. Zweig 
B. Knospe 
C. Nadelunter-und -oberseite
D. Nadelbasis und Nadelspitze
E. Nadelquerschnitt
Zeichnung nach Liu: A monograph of the genus Abies

Ökologie

Die Verbreitungsgebiete der marokkanischen Abies–Arten sind sich sehr ähnlich.
Die offiziellen ha-Angaben zu beiden Arealen täuschen über die tatsächliche Größe der Tannen-Bestände und über den wahren Zustand der Wälder hinweg.
In den unteren Waldlagen kann von Wald im mitteleuropäischen Sinne nicht mehr die Rede sein – hier sind die ursprünglichen Wälder bis zu 90 % zerstört.
Geschichtlicher und anhaltender Raubbau haben die unteren Waldlagen völlig verändert.
Selbst in den geschützten, oberen Waldlagen, wo die Tanne zu finden ist, findet die Holznutzung statt.
Gleichzeitig und zum Nachteil der natürlichen Verjüngung ist die Waldweide mit Ziegen und Schafen allgegenwärtig.
Waldbrände sind eine weitere, erhebliche Gefährdung der Wälder.
Lediglich in den schlecht zugänglichen, steilen Gebirgsstandorten in den Hochlagen sind die Tannen in lockeren Beständen zu finden.
Hier sind als Begleitbaumarten Cedrus atlantica, Quercus faginea, Quercus ilex, Taxus baccata, Sorbus aria u. a. zu nennen.
Auf windexponierten Kammlagen und den höchsten Gebirgen bilden die Tannen-Arten Kriechformen aus.
Die natürlichen Tannen-Bestände wachsen auf Kalksteinverwitterungsböden bei mittleren Jahresniederschlägen von 1200 bis 1400 mm.
In den kühleren Jahreszeiten mit reichlichen Niederschlägen, vor allem als Schnee, kann von einem humiden Klima gesprochen werden.
Dagegen sind die extremen Sommermonate mit nur 50 mm Niederschlag als arid zu bezeichnen.
In den einzigen waldbaulichen Analysen über die marokkanische Abies-Wälder hat H. Mayer (1965, 1983) die marokkanische Abies nicht als Schattbaumart eingestuft, da sie sich sowohl auf der Freifläche als auch unter einem lockeren Schirm sehr gut verjüngt.
Nach seinen Ermittlungen ist die marokkanische Tanne in der Holzmassenproduktion der spanischen und algerischen Tannen-Art überlegen.

Gefährdung

Schon in geschichtlichen Zeiten und anhaltend bis heute, findet eine dauernde Übernutzung der marokkanischen Tannenwälder statt.
In der Folge der Übernutzung von Nutz- und Brennholz entstehen Flächen, die intensiv als Waldweide genutzt werden, mit dem Ergebnis, dass hier keine jungen Bäume mehr wachsen können.
Leichtfertig verursachte Waldbrände tragen ihren Anteil zur Vernichtung der marokkanischen Tannenwälder bei.

Nach IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) wird Abies tazaotana als identisch mit Abies marocana in die Schutzstufe EN = Endangered eingeordnet.


Literatur

Farjon A.:
Handbook of the World’s Conifers
Brill, Leiden, Boston, 2010

Debreczy Z. & Rácz I.:
Conifers Around the world,
Vol.1. Dendropress Ltd.
Budapest, 2011

Liu T.S..:
A Monograph of the Genus Abies
Department of Forestry, Coll. Agriculture, National Taiwan University,
Taipei, 1971

Mayer H.:
Marokkanische und numidische Tanne im nordafrikanischen Atlas,
Forstwissenschl. Centralblatt 84,309- 324, 1965

Mayer H.: 
Mediterran-montane Tannen-Arten und ihre Bedeutung für Anbauversuche in Mitteleuropa,
Cbl. F. d. Ges. Forstwesen, 98, 223-241, 1981

Mayer H.: 
Waldbauliche Probleme in Gebirgswäldern des Maghreb (Nordafrika),
Cbl f. d. Ges. Forstwesen 100, 1-16, 1983

Schütt P..:
Tannenarten Europas und Kleinasiens
ecomed-verlagsgesellschaft mbh & Co.KG, Landsberg/Lech, 1994

Trabut L.:
Le Sapin du Maroc Abies marocana Trab. (Soc. Bot. Fr.,1906)
Bull. Soc. Bot. France 75, 897-902, 1928


 


  Abies tazaotana 10
obenAbies tazaotana 
Nadeln an 1-und 2-jährigem Trieb 
Foto: bomennederland.wordpress.com

Abies tazaotana 11
obenAbies tazaotana
M
ännliche Blüten
Foto: forums.gardenweb.com
 

Abies tazaotana 12
obenAbies tazaotana
Junger Baum im Arboretum Freiburg-Günterstal
Foto: © H. Nimsch


Abies tazaotana 13
oben
Abies tazaotana
Waldbestand
Jbel Tazaout, Talembote, Marokko
Foto: grupoextremo.blogspot.com

Abies tazaotana 14
obenAbies tazaotana
Gebirgswald in der Region Chaouen 
Foto: grupoextremo.blogspot.com

Abies tazaotana 15
obenAbies tazaotana
Im Naturwald
Mt. Tissouka, 2100 m ü. NN
Foto: grupoextremo.blogspot.com

Abies tazaotana 16
obenAbies tazaotana
Hochlagen am Jbel Kelti, Rif-Gebirge, Marokko
Foto: grupoextremo.blogspot.com

Abies tazaotana 17
obenAbies tazaotana
Waldbestand Jbel Lâkraa, Marokko
Foto: grupoextremo.blogspot.com

Abies tazaotana 18
obenAbies tazaotana
Junger Baum im Winter
Arboretum Freiburg-Günterstal
Foto: © H. Nimsch

Abies tazaotana 19
obenAbies tazaotana
Zweig im Winter
Arboretum Freiburg-Günterstal
Foto: © H. Nimsch

Abies tazaotana 20
obenAbies tazaotana
Winter am Mt. Tazaout, Rif-Gebirge, Marokko
Foto: jebola.forumculture.net
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