Abies pinsapo Boiss 1868

Syn.:
Abies hispanica Chambray
Abies pinsapo var. hispanica (Chambray) H. Christ
 

 

Namen
Deutsch
: Spanische Tanne
Englisch: Spanish Fir
Spanisch: Pinsapo
Französisch: Sapin d'Espagne, Sapin pinsapo

Familie Pinaceae | Gattung Abietoidae

Die heute nur noch in Südspanien vorkommende Tannen-Art war vor einigen Jahrmillionen deutlich weiter, über ihr heutiges Vorkommen hinaus, verbreitet.
Raubbau, Übernutzung Waldbrände und Waldweide waren für den Niedergang hauptsächlich verantwortlich.
Heute stehen die letzten Pinsapo-Wälder unter staatlichem Schutz.
Spaniens erstes UNESCO-Biosphärenreservat „Sierra de Grazalema“ mit den höchsten Bergen El Pinar und Sankt Cristobal ist ein gutes Beispiel dafür.

Verbreitung

Die spanische Tanne ist nur noch auf drei Standorten um die Stadt Ronda in Andalusien verbreitet.
Es sind dies die ca. 300 ha umfassende Sierra de Grazalema, Cadiz, (westlich von Ronda); die Sierra Bermeja, Malaga, (südlich von Ronda) mit ca.10 ha und die Sierra de las Nieves, Malaga, (östlich von Ronda) mit ca. 1000 ha.
Im National Park Grazalema wächst die Tanne an Nord-und Osthängen in 900 bis 2000 m über NN bei jährlichen Niederschlägen von bis zu 2000 mm je Jahr.
Der Ort Grazalema hat mit 2200 mm eine der höchsten Niederschlagsmengen Spaniens.

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oben Abies pinsapo
Verbreitungskarte
Erklärung:
1-Abies pinsapo, Spanien
2-Abies marocana, Marokko
3-Abies tazaotana, Marokko
4-Abies numidica, Algerien

Beschreibung

Die Abies pinsapo kann bis 30 m hoch und bis 300 Jahre alt werden.
Sie hat in geschlossenen Waldbildern eine dichte blaugrüne, zylindrische Krone, die sich im Freistand ausladend, mehrstämmig und abstrakt entwickeln kann.
Sehr typisch sind die radial um den kahlen, rötlichbraunen Zweig stehenden Nadeln, die bis 15 Jahre am Baum verbleiben können.
Die bis 15 mm langen, starren, blaugrünen Nadeln haben eine schildförmig verbreiterte Basis.
Sie sind in den oberen Kronenbereichen aber deutlich kürzer und haben auf der Nadelunterseite zwei weiße Stomabänder.
Durch die auch auf der Nadeloberseite befindlichen, weißlichen Spaltöffnungen erscheinen die Nadeln silbrig-weiß.
Dies ist deutlich ausgeprägter bei der häufiger gepflanzten Abies pinsapo „Glauca“.
Die Nadeln sind am Grund nicht gedreht - im Gegensatz zu denen der Abies numidica.
Die Blüten der spanischen Tanne sind monözisch verteilt.
Die bis 15 cm langen Zapfen sitzen aufrecht oder geneigt auf den Zweigen und fallen nach der Reife auseinander.
Die Deckschuppen sind ganz verborgen.
Die Samen werden bis 7 mm lang, sind dunkelbraun und mit einem bis 15 mm langem Flügel verbunden.
Die Samen sind nur kurze Zeit nach der Ernte lagerfähig.
Die Keimrate der Samen liegt unter 50 %.

Das Holz der Tanne wurde früher vielseitig verwendet.
Infolge raubbauartiger Nutzung über Jahrhunderte und durch die Unterschutzstellung der restlichen verbliebenen Bestände hat das Holz keine wirtschaftliche Bedeutung mehr.

Genetische Differenzierung

Unterschiedliche Auffassungen von Autoren ordnen die marokkanischen Tannen-Arten entweder zu Abies pinsapo als Varietäten oder erheben sie zu eigenständigen Arten:
Abies marocana, Trabut und Abies tazaotana, S. Cort.

Isoenzym-Analysen haben genetische Unterschiede zwischen spanischen und marokkanischen Abies-Populationen festgestellt.
Die Abies marocana ist aufgrund von Unterschieden in der Form der Tegmente und in der Länge der Zapfenschuppen von Abies pinsapo abgetrennt und als eigene Art aufgestellt worden.

In Kultur entstandene Art-Hybriden zwischen Abies pinsapo und Abies alba werden gelegentlich in botanischen Sammlungen gezeigt.

Weitere Art-Hybriden sind:

Abies x insignis, Carr. ex Bailly = Abies pinsapo x Abies nordmanniana
Abies x masjoanii = Abies pinsapo x Abies alba
Weiter =

=
Abies pinsapo x Abies numidica
und reziprok
Abies pindrow x Abies pinsapo

afrikanische abies arten

obenUnterscheidungsmerkmale der spanischen und afrikanischen Abies-Arten
(Tabelle zum Vergrößern anklicken)

Die Merkmale sind nicht immer deutlich ausgeprägt.
Übergangsformen sind möglich.
Beispiel Abies numidica:
Wahrscheinlich alle im Handel angebotenen Pflanzen der Abies numidica stammen aus vegetativer Vermehrung der Abies numidica „Glauca“.
Diese kommt zwar auch in den Naturbeständen vor, unterscheidet sich aber deutlich von der „üblichen“ Waldform (Arboretum Freiburg-Günterstal).

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oben Abbildung nach T. S. Liu, National Taiwan University

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oben Abbildung nach T. S. Liu, National Taiwan University

Künstliche Art-Kreuzungen sind zwischen folgenden Abies-Arten durchgeführt worden:

Abies x vilmorinii, Mast. = Abies cephalonica x Abies pinsapo
Abies x vasconcellosiana, Franco = Abies pindrow x Abies pinsapo
Weiter: =
=
Abies alba x Abies pinsapo
Abies nordmanniana x Abies pinsapo

Der Art-Bastard Abies x masjoanii wird relativ häufig als Park-und Gartenbaum gepflanzt, aber auch in der Christbaum-Nachzucht bevorzugt verwendet (Spanien).

Eine große Zahl von Zierformen der Abies pinsapo ist aus Mutationen hervorgegangen.
Sie werden vegetativ vermehrt und sind im Gartenbau von Bedeutung.

Ökologie

Im Winter und im Frühjahr herrschen im Verbreitungsgebiet atlantische Klimaeinflüsse mit hohen Niederschlägen vor, während im Sommer mediterrane Klimaeinflüsse mit großer Trockenheit prägend sind.
Die letzten Naturwälder der Abies pinsapo wurden unter Schutz gestellt und sind heute wirtschaftlich ohne Bedeutung.
Die Arterhaltung innerhalb der noch vorhandenen Naturwälder ist nun die erste Zielsetzung.

Die hohen Niederschläge an den Naturstandorten, der Schutz vor der permanenten Waldbrandgefahr und die Einstellung der Waldweide sind Voraussetzung für den Erhalt der Art auf Dauer.

Kalkgestein und Peridotit sind die hauptsächlichen Ausgangsgesteine an den Naturstandorten.

Die natürliche Verjüngung der spanischen Tanne ist nur bei guten Bodenverhältnissen und ausreichenden Niederschlagsmengen zu erwarten.
Eine künstliche Verjüngung findet nur auf begrenzten Flächen innerhalb der Schutzgebiete statt.
Gute Beispiele dafür konnte der Autor in der Sierra de las Nieves sehen.

Gefährdung

Außerordentliche Gefährdung der letzten Pinsapo-Wälder besteht durch die bereits erwähnten Waldbrände.
Diese haben in den letzten Jahrzehnten in Spanien gewaltige Dimensionen erreicht.
Die Gefahr der totalen Vernichtung kann nicht ausgeschlossen werden.
Eine Waldbrandbekämpfung in den unerschlossenen, gebirgigen Wäldern wäre äußerst schwierig bzw. nur mit Löschflugzeugen durchzuführen.
Es ist deshalb notwendig und verständlich, dass die Naturparkverwaltung (Parque Natural Sierra de Grazalema) den Besuch des Naturparkes im Sommerhalbjahr ganz untersagt hat und im Winterhalbjahr nur mit Ranger-Führung möglich ist (Stand Spätjahr 2012).


Literatur

Farjon A.:
"Handbook of the World’s Conifers"
Brill, Leiden, Boston, 2010

Liu T.S..:
"A Monograph of the Genus Abies"
Department of Forestry, Coll. Agriculture, National Taiwan University, Taipei, 1971

Schütt P..:
"Tannenarten Europas und Kleinasiens"
ecomed-verlagsgesellschaft mbh & Co.KG, Landsberg/Lech, 1994

Pardos A..:
"Abies pinsapo", Enzyklopädie der Holzgewächse
ecomed-verlagsgesellschaft mbh & Co.KG, Landsberg/Lech
12.Erg. Lfg. 6.1998


 

 

 

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oben Abies pinsapo
Mehrhundertjähriger Altbaum am Naturstandort
Sierra de las Nieves

online-utility.org

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obenAbies pinsapo
Naturwald auf Felsstandorten
Sierra de Grazalema

Foto: © D. Vega

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obenAbies pinsapo
Männliche Blüten
Foto: © H. Nimsch

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obenAbies pinsapo
B
riefmarke, Spanien


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obenAbies pinsapo
Naturstandort - in Mischung mit Pinus u.a.
Sierra de las Nieves
Foto: © H. Nimsch

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obenAbies pinsapo, links und Cedrus atlantica, rechts
in Grazalema
, Andalusien
Foto: © H. Nimsch

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obenAbies pinsapo
Solitär-Tanne
Sierra de las Nieves

Foto: © H. Nimsch

11

obenAbies pinsapo
Männliche Blüten
Sierra de las Nieves

Foto: © H. Nimsch

12

obenAbies pinsapo
Naturstandort
Sierra de las Nieves

Foto: © H. Nimsch

13

obenAbies pinsapo
Gepflanzte Tannen entlang eines Weges
Sierra de las Nieves

Foto: © H. Nimsch

14

obenAbies pinsapo
Natürlicher Jungbestand in Mischung mit Pinus

Foto: © H. Nimsch

15

obenAbies pinsapo
Lockerer Bestand auf Felsstandorten
Sierra de las Nieves

Foto: © H. Nimsch

16

obenAbies pinsapo
Naturverjüngung
Foto: © H. Nimsch

17

obenAbies pinsapo
Fast reifer Zapfen
Sierra de las Nieves

Foto: © H. Nimsch

18

obenAbies pinsapo
Nahaufnahme eines Zapfens

Foto: © H. Nimsch

19

obenAbies pinsapo
Waldbestand in der Sierra de las Nieves

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