Abies marocana Trabut 1906

Syn.:
Abies pinsapo var. marocana (Trab.) Ceballos et Balaño 1928;
Abies pinsapo
ssp. marocana (Trab.) Emberger et Maire;
 

 

Namen
Deutsch
: Marokkanische Tanne
Englisch: Maroccan Fir
Spanisch: Abeto de Marruecos
Französisch: Sapin de Maroc
Familie Pinaceae | Unterfamilie Abietoidae

Die Abies marocana steht morphologisch und geographisch zwischen Abies pinsapo und Abies numidica.
Seit ihrer Erstbeschreibung 1906 ist der Artstatus umstritten.
Sie wird von einigen Autoren in Abies marocana aus dem Jbel-Bouhalla-Massiv und Abies tazaotana aus dem Mt. Tazaot-Gebiet getrennt.
Andere Autoren wie T.S.Liu, 1971, und A. Farjon, 2010, sehen die beiden marokkanischen Tannen-Arten nur als Varietäten der spanischen Tanne Abies pinsapo. Isoenzym-Analysen haben genetische Unterschiede zwischen spanischen und marokkanischen Abies-Populationen festgestellt.
Die Abies marocana ist aufgrund von Unterschieden in der Form der Tegmente und in der Länge der Zapfenschuppen von Abies pinsapo abgetrennt und als eigene Art aufgestellt worden.
Wenn die marokkanische Tanne morphologisch zwischen A. pinsapo und A. numidica stehen soll, dann scheinen nach Auffassung des Autors und nach Pflanzenvergleichen eher die Übergänge von Abies pinsapo über Abies marocana zu Abies tazaotana fließender zu sein.
Weitere Unterschiede siehe nachfolgende Tabelle.

06 abies marocana tabelle 

Verbreitung

Das Vorkommen befindet sich im Rif-Gebirge südlich von Tetuan und nördlich von Bab-Taza – am Mt. Tissouka, Mt. Kraa, Mt. Mago und Bab Rouida.

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obenVerbreitungskarte
1 - A. pinsapo,
2 - A. marocana
3 - A.tazaotana                                 
4 - A. numidica

Die Verbreitungsabgrenzung von Abies marocana zu Abies tazaotana wird von mehreren Autoren unterschiedlich angegeben – offensichtlich sind die Übergänge fließend.
(Die Originalbeschreibung der Abies tazaotana von Cozar betrifft nur das Areal um den Mt. Tazaot).
Das in der Literatur angegebene, zusammenhängende Verbreitungs-Areal soll 15000 ha betragen.
Der geneigte Leser glaubt nun, dass hier auf großer Fläche marokkanische Tannen zu finden seien.
Dem ist nicht so.
Jahrelanger Raubbau und Waldweide haben die Waldfläche insgesamt und die Tannenfläche im Besonderen, erheblich reduziert.
Es ist zu befürchten, dass die Tannen-Areale weiter schrumpfen werden.
Nur in den Hochlagen des Djebel-Bouhalla-Massivs in 1500 bis 2000 m über NN ist Abies marocana noch häufiger zu finden, z.T mit Cedrus atlantica gemischt.

 

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oben Abies marocana
Waldbild in der Region Mt. Kelaa,
Marokko.

Foto: grupoextremo.blogspot.com

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obenAbies marocana
Zweig, 2-jährig
Arboretum Tervuren, Belgien.

Foto: © H. Nimsch

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obenAbies marocana
Seitenzweig
Foto: © H. Nimsch

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obenAbies marocana
Reife Zapfen
Foto: threatenedconifers.rbg.org.uk

  
07 abies marocana abies marocana 07 2 08 abies pinsapo 08 2 09 abies tazaotana 09 2
obenAbies marocana
Foto: © H. Nimsch

obenAbies pinsapo
Foto: © H. Nimsch

obenAbies tazaotana
Foto: © H. Nimsch

Vergleichspflanzung in Wakehurst, West-Sussex, England.

Beschreibung

Die Abies marocana wächst i.d.R. zu geraden, wipfelschäftigen Bäumen mit breit-konischer Krone heran.
Sie erreicht auf guten Standorten mit Kalksteinverwitterungsböden etwa 30 m.
Sie ist den nahe verwandten Abies pinsapo und Abies numidica in der Wuchsleistung deutlich überlegen.
Die purpur-rötlichen Triebe sind gänzlich unbehaart.
Die Unterschiede zu Abies pinsapo in der Benadelung sind:

  • Längere, breitere und weniger dicke Nadeln
  • Radial vom Zweig abstehende Nadeln – mitunter aber auch gescheitelt
  • An fertilen Zweigen haben die Nadeln eine abgerundete Spitze
  • Position der Harzkanäle marginal – bei Abies pinsapo uneinheitlich
  • Im Nadelquerschnitt ist die Hypodermis durchgehend einschichtig (gelegentlich auch zweischichtig) – bei Abies pinsapo unterbrochen einschichtig.

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obenAbies marocana
Nadelquerschnitt
Zeichnung nach Liu: A monograph ot the genus Abies.

Die 10 bis 20 cm langen, braun-bis violett-braunen Zapfen sind an der Basis und an der Spitze deutlich verjüngt.
Die Deckschuppen sind gänzlich verborgen.

Ökologie

Die mittleren Jahresniederschläge liegen zwischen 1200 und 1400 mm und fallen mit hohen Schneeanteilen.
Die kühlere Jahreszeit mit 9 Monaten setzt sich deutlich von den arid geprägten 3 Sommermonaten ab.
Die Temperaturminima wird mit 15 °C angegeben – d.h., dass die Tanne nur bedingt für mitteleuropäische Verhältnisse geeignet ist.
H. Mayer (1965 und 1983) stuft die Abies marocana nicht als Schattbaumart ein, wie die meisten anderen Arten, sondern stellt fest, dass diese sich auch auf der Freifläche, besonders aber unter einem lockeren Schirm von Eiche, Kiefer und Zeder verjüngen.
Die Tannen-Wälder sind nicht regelmäßig gemischt mit Cedrus atlantica, Quercus faginea, Quercus ilex, Taxus baccata, Sorbus aria u.a.

Gefährdung

Wie bei allen nordafrikanischen Tannen-Arten, war und ist der Raubbau an den natürlichen Beständen die hauptsächliche Ursache für den kontinuierlichen Rückgang der Wälder.
Im Gefolge davon ist die Waldweide zu nennen, die keine Naturverjüngung mehr zulässt.
Natürlich sind die Waldbrände als Schadfaktor zu nennen, besonders im Zuge zunehmender Bevölkerung vor Ort.

Die Abies marocana (Abies pinsapo var. marocana) wird nach IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) in die Schutzkategorie EN = Endangered eingestuft.


Literatur

Farjon A.:
Handbook of the World’s Conifers
Brill, Leiden, Boston, 2010

Debreczy Z. & Rácz I.:
Conifers Around the world,
Vol.1. Dendropress Ltd.
Budapest, 2011

Liu T.S..:
A Monograph of the Genus Abies
Department of Forestry, Coll. Agriculture, National Taiwan University,
Taipei, 1971

Mayer H.:
Marokkanische und numidische Tanne im nordafrikanischen Atlas,
Forstwissenschl. Centralblatt 84,309- 324, 1965

Mayer H.: 
Mediterran-montane Tannen-Arten und ihre Bedeutung für Anbauversuche in Mitteleuropa,
Cbl. F. d. Ges. Forstwesen, 98, 223-241, 1981

Mayer H.: 
Waldbauliche Probleme in Gebirgswäldern des Maghreb (Nordafrika),
Cbl f. d. Ges. Forstwesen 100, 1-16, 1983

Schütt P..:
Tannenarten Europas und Kleinasiens
ecomed-verlagsgesellschaft mbh & Co.KG, Landsberg/Lech, 1994

Trabut L.:
Le Sapin du Maroc Abies marocana Trab. (Soc. Bot. Fr.,1906)
Bull. Soc. Bot. France 75, 897-902, 1928


 

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obenAbies marocana
Gebirgswald im National-Park Talassemtane, Marokko.

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obenAbies marocana
Gebirgswald im National-Park Talassemtane, Marokko.

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obenAbies marocana
Männl. Blüten.
Foto: fotolog.com

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obenAbies marocana
Dicht benadelter Zweig.

Foto: buchholznursery.com

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oben
Abies marocana
A. Zweig
B. Knospe
C. Nadeln von zapfentragendem Zweig
D. Nadelbasis und Nadelspitze
E. Nadeln mit abgerundeter Spitze
F. Nadeln mit scharfer Spitze
G. Nadelquerschnitt.
H. Zapfenspindel.
I. Zapfenschuppe. Innen-und Außenseite
J. Deckschuppen.
K. Samen-Korn mit Flügel, Innen- und Außen.icht benadelter Zweig.

Zeichnung nach Liu: A monograph oft he genus Abies.

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obenAbies marocana
Zweig
Mt. Tissouka, 2122 m ü. NN. National-Park Talassemtane.

Foto: hikinginspain.es

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obenAbies marocana
Gruppe älterer Bäume im Arboretum Tervuren, Belgien.
Foto: © H. Nimsch

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obenAbies marocana
Rindenbild
National-Arboretum Les Barres, Frankreich.

Foto: © H. Nimsch

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