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Magnolien-Tal

Einführung

Die Gattung Magnolia wurde nach dem französischen Physiker und Botaniker Pierre Magnol, Montpellier, Frankreich, benannt. Eine ganze Reihe weiterer Botaniker haben sich seither mit der Gattung wissenschaftlich befasst.
Zu Beginn der Kreidezeit vor 135 Mill. Jahren stellten die Gymnospermen (Nacktsamer) das beherrschende Pflanzenkleid der Erde dar – erst 25 Mill. Jahre später erschienen die ersten Angiospermen (Bedecktsamer) und weitere 10 Mill. Jahre später war ihre Entwicklung so weit fortgeschritten, dass sie an die Stelle der Nacktsamer treten konnten.
Phylogenetisch sind die Magnolien sehr primitive Blütenpflanzen, deren fossile Vorfahren aus dem Tertiär stammen.
Sie sind also zu den ersten Angiospermen der Entwicklungsgeschichte der Pflanzen zu zählen.
Zu dieser Zeit waren die Magnolien über die ganze Nordhalbkugel verbreitet.
Das älteste bekannte fossile Blatt eines Bedecktsamers stammt aus Labrador und weist eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den heutigen, rezenten Magnolienblättern auf.
Auch die sehr primitive Blütenstruktur ist bis heute erhalten geblieben.

Verbreitung

Heute gehören zur Familie der Magnoliaceae u.a. die Gattung Magnolia L. mit 80 Arten, die Gattung Manglietia Bl. mit 25 Arten, die Gattung Michelia L. mit 45 Arten, die Gattung Talauma A. Juss. mit 40 Arten, die Gattung Liriodendron L. mit 2 Arten und die Gattung Schisandra mit 25 Arten.
Die ca. 80 Magnolienarten sind heute überwiegend in Ostasien und dem östlichen und südlichen Nordamerika beheimatet.
Ein kleinerer Teil ist in Mittel- und Südamerika verbreitet.
Während einige der ostasiatischen Arten auch als sehr alte Kulturpflanzen bekannt waren ( 7. Jh.) und als Medizinpflanzen kultiviert wurden sowie als Bauholz Verwendung fanden, wurden die ersten schriftlichen Erwähnungen aus dem Atztekenreich erst im Jahr 1552 nachgewiesen (Talauma mexicana).
Die bekanntesten unter den ca. 80 Magnolienarten, die auch hier in Botanischen Gärten oder Arboreta zu sehen sind, seien hier aufgezählt:
Von den in Ostasien beheimateten Magnolien sind in China die Arten M. amoena, M. biondii, M. denudata, M. cylindrica, M. delavayi.
M. dawsoniana, M. globosa, M. officinalis, M. sargentiana, M. sinensis, M. sprengeri,
M. wilsonii und M. zenii verbreitet.
In Japan kommen die Arten M. kobus, M. liliiflora, M. obovata, M. salicifolia, M. sieboldii und M. stellata vor.
Im Himalaya und den angrenzenden Ländern sind M. campbellii, M. nitida und M. rostrata beheimatet.
Aus den USA und Kanada stammen die Arten M. acuminata, M. cordata, M. fraseri, M. grandiflora, M. macrophylla, M. tripetala und M. virginiana.

Pflanzung

Im Arboretum Freiburg-Günterstal im Städtischen Forstamt wurden vorwiegend und gezielt die Wildarten der Magnolien angepflanzt, die in diesen Klimaten wachsen können.
Es handelt sich hierbei um ca. 25 Wildarten, die an unterschiedlichen Standorten in Hanglagen in ca. 350 m über NN im Arboretum stehen.
Diese Wildarten sind in z.T. tiefen Taleinschnitten auf leicht sauren, feuchtigkeitsversorgten Standorten auf unterschiedlichen Expositionen angepflanzt worden.
Absichtlich wurden diese Taleinschnitte auch genutzt um die bei den Wildarten oft erst späte Blütenbildung in den oberen Kronenbereichen von einem erhöhten Standort aus besser sehen zu können.
Die unterschiedliche Blütezeit vor- während und nach dem Laubausbruch sowie die bis 80 cm großen Blätter einiger Arten wirken als Blickfang für den Arboretumsbesucher.
Nun, 40 Jahre nach den ersten Anpflanzungen, zeigen sich die ersten Blüten in weiß, rot und gelb und die ersten Sammelfrüchte (Fruchtzapfen) zeigen sich in einem auffallenden Rot.
Zur Reifezeit platzen die Sammelfrüchte auf und entlassen die an langen Fäden heftenden Samen.
Diese können ohne Schwierigkeiten ausgesät werden, wenn berücksichtigt wird, dass diese keinesfalls austrocknen dürfen.
Die sommer- und immergrünen Magnolia-Arten wachsen strauch- oder baumförmig, sie können im Himalaja 30 m (gelegentlich auch 40m) hoch werden.
Sie sind in gemäßigten bis tropischen Klimazonen beheimatet und können deshalb nur teilweise in mitteleuropäischen Klimazonen angepflanzt werden.
Je nach Art blühen die Magnolien von März bis in den August oder September.
Alle Magnolienarten brauchen einen guten, nahrhaften Humusboden der ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt wird.
Sie fühlen sich auf leicht sauren bis neutralen Waldstandorten mit ph-Werten von 5,5 bis 6,8 unter dem Schutz großer Waldbäume (Laubbäume) wohl.
Auch geringer Kalkgehalt des Bodens wird i.d.R. noch toleriert.
Einige wenige Magnolia-Arten vertragen auch noch höhere Gehalte an Kalk (Magnolia grandiflora).

Zu den ältesten  Magnolien, die im Arboretum gepflanzt wurden, sind die Magnolia tripetala (ca.  1930) aus dem SO der USA, die bis 15 m hoch werden können und die Magnolia obovata (1975) aus Japan, die 30 m hoch werden kann, zu zählen.
Beide haben sehr große Blätter, die bis 60 cm Länge erreichen können und im Herbst auffallende, rote Sammelfrüchte (Fruchtzapfen) zeigen.

Neben der Waldmagnolia M. obovata erreicht auch die M. kobus var. borealis aus Japan und die M. acuminata aus dem Osten Amerikas mit 25 m Höhe beachtliche Höhenmaße.

Die Magnolia x soulangiana ist eine Hybride der Wildarten M. denudata aus Ost- und Südchina und der M. liliiflora aus China.
Von dieser rot-violett blühenden Hybride sind viele Gartenformen bekannt und im Handel erhältlich.

Die aus Japan und Korea stammende M. sieboldii wächst meist strauchartig und blüht mit weißen, nickenden Blüten nach dem Laubausbruch.
Die Blüten erscheinen schon an jungen,
5-jährigen Pflanzen.

Ein sommergrüner, kleiner Baum ist die M. wilsonii aus der chinesischen Provinz Sichuan.
Sie wächst dort in Gebirgslagen in über 2000 m über NN.
Sehr zierend sind die seidig behaarten Triebe und die hängenden, weißen Blüten.

Zu den auffallendsten Waldmagnolien gehört zweifelsohne die M. macrophylla aus dem SO der USA mit Blättern, die 80 cm Länge erreichen können.
Ein windgeschützter Waldstandort ist für diese Art unerlässlich, da sie unter Windbruch leidet.

Die immergrüne, am Heimatstandort in den USA bis 30 m hoch werdende M. grandiflora ist eigentlich ein Baum für mediterrane Klimate.
Ihre großen, duftenden Blüten werden bis in den August/September hinein gebildet.
Trotz nur bedingter Winterhärte sind sie gelegentlich im Stadtbereich von Freiburg, im Botanischen Garten und im Arboretum blühend zu sehen.
Die bis 7 cm langen „Fruchtzapfen“ sind gelblich bis silbrig braun.

Eine seltene Art ist die nur sehr bedingt winterharte M. campbelli ssp. mollicomata aus dem Himalaja.
Sie wächst in SO-Tibet, N-Burma und W-Yunnan in  über 3000 m über NN.
Ihre großen, roten „Fruchtzapfen“ sind eine besondere Zierde im Spätjahr.

Die in SO-Asien beheimatete, immergrüne, nicht winterharte Art M. delavayi hat trotz beachtlicher Minustemperaturen mehrere Jahre im Arboretum ausgehalten, bevor sie von großen Douglasien-Ästen während eines Sturmes vernichtet wurde.

Einige weitere Arten sind im Arboretum angepflanzt und stellen mit ihren auffallenden Blättern und Blüten eine Bereicherung dar.

Für den Park und den Garten werden meist die Züchtungen der Magnolia-Arten verwendet, die sich durch ihre Blütenfülle, die Blütenfarbe und i.M. durch geringeres Höhenwachstum auszeichnen.
Als Garten- und Parkpflanze ist die Magnolie dankbar, wenn in ihrem Wurzelbereich nicht gehackt und gegraben wird.
Eine gelegentliche Humus oder Laubkompostaufbringung auf den Wurzelraum der Pflanze oder eine winterliche Laubabdeckung desselben ist sinnvoll.
Die Entwicklung bei den Magnolia-Hybriden kann als explosionsartig bezeichnet werden.
Allein in den letzten 30 Jahren ist die überwiegende Zahl aller Hybriden entstanden.
Dabei stand im Vordergrund der Züchtung die Verbesserung der Frosthärte, die Vielseitigkeit der Blütenfarben, die bessere Toleranz gegenüber Kalkstandorten und die spätere Blütezeit um den schädlichen Frühjahrsfrösten zu entgehen.
Die Möglichkeit bei der Züchtung die Farben Weiß, Rot, Blau und Gelb zu kombinieren, wird  in der Zukunft viele neue Hybriden entstehen lassen und weltweit eine größere Verbreitung der Magnolien zur Folge haben.

Im Arboretum werden die Magnolienstandorte durch einige wenige weitere Wildarten ergänzt um die Besonderheit dieser Baumart zu unterstreichen.


Literatur

„Magnolias. A Gardeners Guide“, 2002,
Jim Gardener, Timber Press, Portland, Oregon, USA

H. Nimsch, Mai 2009




Pfeil nach oben Magnolia fraseri 
aus dem Südosten der USA
mit typischer, gelappter Blattbasis

Foto:© H. Nimsch




Pfeil nach oben Magnolia nitida
eine nicht winterharte Art
aus dem Himalaja

Foto:© H. Nimsch




Pfeil nach oben Magnolia grandiflora
mit großen, duftenden Blüten, aus dem Südosten der USA
Foto:© H. Nimsch





Pfeil nach oben Magnolia grandiflora
mit gleichzeitig vorkommenden Blütenknospen und Fruchtständen

Foto:© H. Nimsch




Pfeil nach oben
Magnolia delavayi
eine immergrüne Magnolie aus der Provinz Yunnan, China

Foto:© H. Nimsch



Pfeil nach oben Magnolia campbellii ssp. mollicomata
Eine seltene Art aus dem Himalaja

Foto:© H. Nimsch

 



Pfeil nach oben Magnolia cylindrica
stammt aus Ost-China und blüht vor dem Laubausbruch

Foto:© H. Nimsch 
 



Pfeil nach oben Magnolia kobus var. borealis
kommt aus N-Japan und wächst baumartig

Foto:© H. Nimsch 
 



Pfeil nach oben Magnolia salicifolia
aus Zentral- und S-Japan, mit „weidenblättriger“ Belaubung

Foto:© H. Nimsch 
 



Pfeil nach oben Magnolia denudata
aus Zentral-China, von buddhistischen Mönchen schon im 7. Jh. kultiviert

Foto:© H. Nimsch 
 



Pfeil nach oben Magnolia stellata
die bekannte Sternmagnolie aus Japan

Foto:© H. Nimsch 
 



Pfeil nach oben Magnolia macrophylla
aus dem Osten der USA, Austrieb der bis 80 cm großen Blätter

Foto:© H. Nimsch 



Pfeil nach oben Magnolia wilsonii
der sehr schön blühende kleine Baum, kommt aus West-China

Foto:© H. Nimsch 



Pfeil nach oben Magnolia acuminata
die gelbblühende Magnolie aus Kanada und den USA

Foto:© H. Nimsch
 


Pfeil nach oben Magnolia obovata
die Hinoki-Magnolie aus Japan, seit 35 Jahren im Arboretum

Foto:© H. Nimsch 
 


Pfeil nach oben Magnolia x soulangiana
eine Hybride der Wildarten M. denudata und M. liliiflora

Foto:© H. Nimsch 
 


Pfeil nach oben Magnolia tripetala
die großblättrige Schirmmagnolie, aus dem Osten der USA

Foto:© H. Nimsch 
 


Pfeil nach oben Magnolia liliiflora
eine rotblühende Hybride, kurz vor dem Aufblühen

Foto:© H. Nimsch 



Pfeil nach oben Magnolia macrophylla
Habitus der großblättrigen Magnolie

Foto:© H. Nimsch
 
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